Seit Sonntag streiken Angestellte in Großbritanniens größtem Containerhafen. Die Auswirkungen werden womöglich weltweit zu spüren sein. 

Felixstowe, Großbritannien, Containerhafen
SciPhi.tv / Shutterstock.com

Für acht Tage legen 1.900 Beschäftigte im Hafen Felixstowe ihre Arbeit nieder: Die Gewerkschaftsorganisation Unite hatte zu dem Streik aufgerufen, nachdem Lohnverhandlungen mit dem Arbeitgeber gescheitert waren. Felixstowe Dock and Railway Company war lediglich zu 7 Prozent Gehaltserhöhungen bereit, dies war der Gewerkschaft angesichts der aktuell sehr hohen Inflation im Land – über 10 Prozent im Juli – jedoch zu wenig. Auch in Liverpool wollen Hafenarbeiter ihre Arbeit Streiks antreten, meldet die FAZ

Wirtschaftsfachleute und Redereien rechnen mit einschneidenden wirtschaftlichen Folgen. „Fast die Hälfte des britischen Containerverkehrs geht durch den Hafen in Felixstowe hindurch und 65 Prozent der ankommenden Container“, erläuterte die britische Handelsexpertin Rebecca Harding dem Bericht zufolge gegenüber der Deutschen Presse-Agentur zu den Auswirkungen. „Der Handel zwischen Großbritannien und dem Rest der Welt, vor allem der EU, ist im vergangenen Jahr ohnehin schon eingebrochen und jede neue Störung erhöht den ohnehin steigenden Druck.“

Kleidungs- und Elektronikbranche besonders betroffen

Durch den Streik seien Importe und Exporte im Wert von umgerechnet etwa 950 Millionen Euro gefährdet, heißt es. Dies soll vor allem die Elektronikbranche und den Handel mit Kleidung betreffen.

Die Reederei Maersk rechne der FAZ zufolge mit „erheblichen Auswirkungen auf das Schiffsprogramm“. Zuversichtlicher zeigte sich der Hafenverband British Ports Association, man habe die Infrastruktur zuletzt stark ausgebaut, weshalb auch zwischenzeitlich mehr Containerfracht als üblich abgewickelt werden könne – demnach soll es keine langfristigeren Auswirkungen auf die britischen Lieferketten geben. 

Für Deutschland werden aufgrund des britischen Streiks kurzfristig keine Lieferengpässe erwartet, der Importanteil aus dem Vereinigten Königreich beträgt nur 2,7 Prozent. Waren können über andere Transportrouten, etwa den Eurotunnel, oder per Fähre befördert werden.

Negative Auswirkungen auf globale Lieferketten

Verzögerungen im Schiffsverkehr bedeuten jedoch regelmäßig Einschnitte für die weltweite Versorgung – besonders eindrücklich zeigten dies etwa Ereignisse wie die Havarie im Suez-Kanal, der Lockdown in chinesischen Metropolen sowie der Ukraine-Krieg – durch die Containerfrachten nicht mehr pünktlich abgefertigt werden konnten. Infolgedessen verzögern sich auch die nachgelagerten Prozessen in den Häfen und davor. So stauen sich wartende Frachter und Container werden nicht schnell genug wieder frei, der Frachtraum verknappt sich und die Transportpreise steigen. Einige Reedereien hatten bereits mit einer leichten Entspannung in den globalen Lieferketten im kommenden Jahr gerechnet – „Zusätzliche Streiks verschlechtern diese Situation“, kommentierte Logistikexperte Vincent Stamer vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zur Situation.

Auch hierzulande ist die Situation in den Häfen weiter angespannt. Am heutigen Montag verhandeln erneut die Gewerkschaft Verdi Tarifkonditionen für die etwa 12.000 Angestellten an den hiesigen Nordseehäfen. Es ist bereits die zehnte Verhandlungsrunde, die mit Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) geführt wird. Es liege nun an den Arbeitgebern, ob es zu einem Verhandlungsergebnis komme, erklärte laut Verdi-Mitteilung Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth. Im Rahmen der Verhandlungen war es bereits mehrfach zu Streiks gekommen.

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/ Geschrieben von Hanna Behn




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