Der Pakettransport soll klimafreundlicher werden – etwa mithilfe öffentlicher Verkehrsmittel. In der österreichischen Hauptstadt könnte das bald Wirklichkeit werden. 

Zwei Leute halten Paket in der Straßenbahn fest
T. Topf / Fraunhofer Austria

Bereits im letzten Jahr hatte das Forschungsinstitut Fraunhofer Austria in einer Machbarkeitsstudie herausgefunden, dass es bei den Straßenbahn-Fahrgästen eine große Bereitschaft gibt, Pakete mitzunehmen. Jetzt nimmt das Projekt weiter Gestalt an: Unter dem Namen „Öffi-Packerl“ startet das Institut mit der Ausarbeitung des konkreten Konzepts.

Wilfried Sihn, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria erklärte, dass die Entwicklung von Konzepten für ein nachhaltiges Wirtschaften einen der wesentlichen Schwerpunkte im Institut darstelle. „Es freut mich, dass wir im Projekt ‚Öffi-Packerl‘ gemeinsam mit einem starken Konsortium einen so vielversprechenden Ansatz der grünen Logistik weiterverfolgen werden“, erklärte er laut der aktuellen Ankündigung der Forschungseinrichtung.

Leute nehmen freiwillig Pakete mit auf die Reise

„Crowdsourcing Delivery“ nennt sich der Ansatz, bei dem Menschen, die ohnehin mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, Sendungen von einer Paketstation zur nächsten mitnehmen. Um dies zu ermöglichen, soll es neben den entsprechenden Abhol- und Ablagestationen eine App geben. In dieser können die Freiwilligen ihre geplante Pendelstrecke angeben und darüber auch die jeweiligen Paketstationen öffnen.

Das Fraunhofer-Institut arbeitet intensiv mit weiteren Akteuren zusammen, um die Anwendung zu entwickeln und Paketstationen zu errichten. In Kooperation mit Upstream Mobility, einem Gemeinschaftsunternehmen der Wiener Linien und Stadtwerke, wird ein Algorithmus entworfen, der Fahrstrecken der Nutzerinnen und Nutzer mit den passenden Paketen zusammenbringt.

Die nötige Technologie will das TU-Wien-Institut für Computertechnik stellen. Gemeinsam mit den Wiener Linien und der Firma netwiss OG werden Fahrgastströme analysiert, um geeignete Straßenbahnlinien und die idealen Positionen der Paketstationen zu identifizieren. Die energieautarken, modularen Paketboxen werden von der Variocube entwickelt – und im Zuge der Testphase an bis zu acht Orten aufgestellt.

Auch die Österreichische Post AG liefert essenzielle Daten, damit die geeignetsten Strecken identifiziert werden können. „Bei professioneller Logistik handelt es sich um einen komplexen Prozess, der oftmals unbemerkt vor den Augen der Kund*innen stattfindet. Mit diesem Forschungsprojekt wollen wir den Prozess erstmals öffnen und gemeinsam prüfen, welche Potenziale der öffentliche Nahverkehr bietet, wenn er an die leistungsfähige Infrastruktur der Post angebunden wird“, sagt Ruzica Cavala, Projektleiterin bei der Österreichische Post AG, zum Projekt. 

Ausweitung geplant

Auch auf ländlichen Regionen könnte der Pakettransport mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausgedehnt werden, zwei oberösterreichische Unternehmen seien dazu bereits bereit. „Wir wollen über Wien hinausdenken und herausfinden, ob das Konzept auch für den ländlichen Raum geeignet ist“, so Projektleiter Matthias Hayek. Entsprechende Tests könnte es in Umgebung von Ried im Innkreis geben.

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/ Geschrieben von Hanna Behn




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