Neben mehr Aufmerksamkeit für den Nahverkehr und Entlastung angesichts hoher Energie- und Spritkosten soll der günstige Fahrschein sich auch positiv aufs Klima auswirken. Ist das der Fall?

Menschen am Bahnhof
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Im Zuge der Einführung des bundesweiten 9-Euro-Tickets wurden auch Untersuchungen rund um dessen Erfolg angestoßen, die auch als Diskussionsgrundlage für eine Fortsetzung preiswerter Fahrkarten für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dienen könnten – und nun gibt es erste Erkenntnisse. Die Daten seien noch „mit Vorsicht“ zu  genießen, doch: „Das, was vorliegt, sind allerdings sehr alarmierende Daten. Es deutet darauf hin, dass mit dem 9-Euro-Ticket mehr Verkehr erzeugt und vor allem kaum verlagert wird", wird Philipp Kosok, Projektleiter Öffentlicher Verkehr des Interessenverbands Agora Verkehrswende, von der Deutschen Presseagentur/Tagesschau zitiert. 

Demnach ergebe sich kein Vorteil für den Klimaschutz. Nur drei Prozent der Deutschen würden ihr Kfz zugunsten der Bahn stehen lassen, beruft sich der Bericht auf Erhebungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und Untersuchungen aus dem Münchener Großraum. „Aus den bisherigen Untersuchungen lässt sich nur ein leichter Verlagerungseffekt von der Straße auf den Öffentlichen Verkehr von bestenfalls zwei bis drei Prozent erkennen“, erklärte der Bahn-Experte der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW), Christian Böttger.

38 Millionen verkaufte Tickets

Seit Ende Mai bis heute wurden insgesamt 38 Millionen der 9-Euro-Fahrscheine verkauft, zusätzlich nutzen etwa zehn Millionen Personen, die entsprechende Abonnemments für den ÖPNV haben, die vergünstigte Option. „Die Nachfrage in der Bevölkerung bleibt auch im zweiten Monat und bis heute nahezu ungebrochen hoch“, sagte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff aktuell im Zuge der Veröffentlichung von Ticketverkaufszahlen. „Die Mehrheit der Fahrgäste nutzt das 9-Euro-Ticket nicht für Ausflugs- oder Urlaubsfahrten, sondern im Alltag.“ 

Der Verband hatte sich zuletzt für ein Klimaticket zum Preis von 69 Euro pro Monat ausgesprochen, das aus Branchensicht realisierbar sei und forderte die Politik nun erneut zur Eile in der Entscheidung auf, falls es noch bis zum 1. September eingeführt werden soll. Auch zahlreiche weitere Vorschläge liegen auf dem Tisch. Jüngst brachten laut Tagesschau die Grünen die Idee ein, ein Regionalticket für 29 Euro – vor allem für Pendler, die zum Beispiel mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren – sowie ein Bundesticket für 49 Euro anzubieten. 

Christian Lindner kritisiert „Gratismentalität“

Die Bundesländer erklärten sich indes bereit, ein 9-Euro-Folgeticket mitzufinanzieren – doch dafür müssten zunächst die Rahmenbedingungen von Bundesverkehrsminister Volker Wissing festgelegt werden, berichtete die FAZ.

Doch eine solche wird es laut Bundesfinanzminister Christian Lindner zufolge nicht geben. Der FDP-Politiker erklärte gegenüber der Augsburger Allgemeinen Zeitung am vergangenen Wochenende, dass er von einer „Gratismentalität à la bedingungsloses Grundeinkommen“ im Öffentlichen Nahverkehr nicht überzeugt sei, wie u. a. in einer dpa-Meldung bei der Zeit zu lesen ist.

Auch erklärte Linder, es sei nicht fair, wenn Menschen auf dem Land – ohne Bahnhof in der Nähe und somit aufs Auto angewiesen – den günstigen Nahverkehr mitfinanzieren: „Jeder Steuerzuschuss für ein nicht die Kosten deckendes Ticket bedeutet Umverteilung“, gab er zu bedenken. Vor allem die Aussage zur „Gratismentalität“ fiel dem Finanzminister auf die Füße – und er erntete dafür massive Kritik, unter anderem auf Twitter und vom Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Bahn-Experte Böttger empfiehlt, langfristige Lösungen zu schaffen: „Wenn wir wirklich stabiles Wachstum wollen im öffentlichen Verkehr, dann müssen wir vor allem die Kapazitäten entsprechend erweitern“. Die Auswirkungen des Tickets hätten gezeigt, dass das System „am Anschlag“ sei. „Das Ticket führt zu einer höheren Nutzung des Öffentlichen Verkehrs, aber vor allem selektiv auf bestimmten Strecken, sogar soweit, dass dort der Verkehr zusammenbricht“, so Böttger.

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/ Geschrieben von Hanna Behn