Erneut legen Hafenmitarbeiter in Deutschland die Arbeit nieder – sie fordern mehr Lohn. Kritisch sieht das vor allem der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS).

Hafenarbeiter
Hafenarbeiter (Symbolbild) | thebigland / Shutterstock.com

In den wichtigen deutschen Seehäfen Hamburg, Emden, Bremerhaven, Bremen, Brake und Wilhelmshaven sind tausende Angestellte am Donnerstagmorgen, dem 23. Juni, in einen Warnstreik getreten. Zu diesem hatte erneut die Gewerkschaft Verdi aufgerufen. Zusätzlich findet in Hamburg eine Demonstration vom Sitz des ZDS bis zum Gewerkschaftshaus statt, melden dpa/Süddeutsche Zeitung

Die Gewerkschaft vertritt rund 12.000 Beschäftigte in 58 tarifgebundenen Betrieben. Einen ersten Streik hatte es – erstmals seit Jahrzehnten – bereits am 9. Juni gegeben, kurz vor der dritten Tarifverhandlung. Für mehrere Stunden wurden keine Schiffe mehr abgefertigt – wodurch es in den ohnehin stark angeschlagenen Lieferketten zu noch stärkeren Verzögerungen kam. Nun zeigte sich Verdi mit dem Ausgang der vierten Verhandlungsrunde unzufrieden. Dem Betrieb an den Häfen drohe damit der Stillstand.

Verdi fordert Inflationsausgleich und höhere Löhne 

Kurz zuvor hatte der ZDS ein erneutes, nach eigenen Angaben „finales Angebot“ für die Tarifverhandlungen abgegeben: Die Löhne sollen bei einer Laufzeit von 18 Monaten um 1,20 Euro steigen, mit der von Verdi geforderten Erhöhung der Zulage im Containerbereich um 1.200 Euro erklärte man sich zudem einverstanden. Auch seien weitere Einmalzahlungen geplant. „Inklusive weiterer Einmaleffekte entspricht das Angebot einem sofort wirksamen Volumen von bis elf Prozent in Vollcontainerbetrieben und acht Prozent in den sonstigen Betrieben, eine dauerhafte Erhöhung der Löhne um 7,2 Prozent“, erläutert der Verband. Damit liege man deutlich über vergleichbaren, aktuellen Tarifabschlüssen, heißt es.

Verdi lehnt das Angebot jedoch ab: „Das von den Arbeitgebern in der vierten Verhandlungsrunde vorgelegte Angebot ist völlig unzureichend; es hat keine substanzielle Verbesserung zum vorherigen Angebot gebracht, sondern sich als klassische Mogelpackung entpuppt“, erklärte die Verdi-Verhandlungsführerin Maya Schwiegershausen-Güth laut Gewerkschaftsmitteilung. „Nach der Annäherung in der dritten Runde haben wir jetzt einen Rückschritt gemacht.“ Es bedeute einen Verlust für die Kolleginnen und Kollegen der Vollcontainerbetriebe, die jedoch derzeit von hohen Lagergelderlösen durch die derzeitigen Lieferkettenstörungen profitieren würden. Verdi erwartet neben den 1,20 mehr Lohn pro Stunde einen „tatsächlichen Inflationsausgleich bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten“.  

Hafenverband appelliert an Verantwortung 

Seitens des ZDS drängt man nun auf eine Lösung:  „Wir fordern ver.di auf, umgehend in ein geordnetes Vermittlungsverfahren mit uns zu gehen und damit unserer gemeinsamen Verantwortung in dieser von multiplen Krisen geprägten Zeit gerecht zu werden“, so ZDS-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel. 

Schon jetzt herrschen an den Seehäfen teils sehr angespannte Zustände – die durcheinandergeratenen Fahrpläne führen zu Verspätungen, durch den Fahrermangel komme man auch mit dem Abtransport kaum hinterher. Erst kürzlich mahnte deshalb etwa Angela Titzrath, Chefin des Hafenkonzerns Hamburger Hafen und Logistik (HHLA), alle Beteiligten, jetzt zusammenzuarbeiten – um gemeinsam die kritische Situation zu bewerkstelligen. Schon jetzt stauen sich mehrere Schiffe in der Nordsee. Vor den Häfen in Deutschland, Belgien und Holland stecken nach Angaben des ifW Kiel derzeit etwa zwei Prozent der globalen Frachtkapazitäten fest.

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/ Geschrieben von Hanna Behn




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