Anlässlich einer aktuellen Statistik macht der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V. (BGA) auf die dramatische Situation durch das Fehlen von Fahrpersonal aufmerksam.

Lkw-Fahrer hinterm Steuer
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Berufskraftfahrerinnen und -fahrer sind zu mehr als einem Drittel über 55 Jahre alt. Der Anteil älterer Personen ist damit deutlich höher als unter den Erwerbstätigen insgesamt, der etwa 25 Prozent beträgt, wie aktuell das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt

Insgesamt arbeiten hierzulande etwa 480.000 Menschen als Lkw-Fahrerin oder -Fahrer – noch immer zu wenig, weiß Carsten Taucke, Vorsitzender des BGA-Verkehrssauschusses. „Es fehlen aktuell 60.000 bis 80.000 Berufskraftfahrer. Jeder dritte Lkw-Fahrer ist bereits über 55 Jahre alt – jedes Jahr gehen 30.000 Berufskraftfahrer in Rente. Demgegenüber fehlt es an jungen Menschen, die diesen Beruf ergreifen wollen“. Der Anteil der unter 25-Jährigen, die in den Beruf einsteigen, lag laut Destatis nur bei drei Prozent – ebenso gering ist auch der Anteil von Frauen. Zum Vergleich: Unter allen Erwerbstätigen machen die unter 25-Jährigen knapp zehn Prozent aus, 47 Prozent sind Frauen. Einziger, wenn auch vorsichtiger Lichtblick: Die Zahl der Auszubildenden war mit 7.700 Ende 2020 immerhin 45 Prozent höher als vor zehn Jahren. 

Schlechte Arbeitsbedingungen – Lohn ist unter Durchschnitt 

„Ohne schnelles Handeln droht durch den aktuellen Fahrermangel ein Versorgungskollaps. Schlechte Arbeitsbedingungen und das negative Image des Berufes sind die Hauptgründe für den Mangel an Lkw-Fahrerinnen und -Fahrern“, so Taucke. Unter anderem gebe es dringenden Handlungsbedarf, etwa in Bezug auf die Verfügbarkeit von Parkplätzen. 

Und auch die schlechte Bezahlung dürfte nicht gerade verlockend sein. Wie die Statistikbehörde weiter mitteilt, erhalten ausgebildete Fachkräfte in Vollzeit im Schnitt 14,67 Euro die Stunde, der Monatsverdienst liegt in etwa bei 2.725 Euro brutto. Angelernte ohne entsprechenden Abschluss bekamen 12,98 Euro. Das ist unter dem Durchschnitt: In der Wirtschaft insgesamt würden Fachkräfte bei 20,44 Euro liegen (3.399 Euro monatlich), Angelernte bei 16,40 Euro Stundenlohn.

Transport läuft größtenteils über den Straßengüterverkehr

„Erforderlich ist die Steigerung der Attraktivität insbesondere durch bessere Arbeitsbedingungen und marktgerechte Entlohnung sowie eine Verkürzung der Ausbildung“ fordert der BGA-Vorsitzende. Die Statistik würde belegen, dass es auch aktuell „keine Trendwende nach oben“ gebe. Die Politik müsse dringend handeln. „Lkw-Fahrerinnen und Lkw-Fahrer stellen nach wie vor eine Schlüsselfunktion für die Wirtschaft dar. Sie sind die Stütze der Logistik und sichern die unsere alltägliche Versorgung.“ 

Rund drei Viertel der Beförderungsleistung im Güterverkehr lief im vergangenen Jahr noch über Straße. 

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/ Geschrieben von Hanna Behn




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