Die weltweiten Probleme in den Lieferketten führen nun auch in Hamburg und Bremerhaven zu Schiffstaus. 

Containerschiffe am Hamburger Hafen, Burchardkai
Wolfgang Jargstorff / Shutterstock.com

Vor der Nordseeküste stauen sich derzeit etwa ein Dutzend Frachtschiffe, die Bremerhaven oder Hamburg zum Ziel haben, um ihre Fracht loszuwerden. Doch bis sie abgefertigt werden können, vergehen womöglich noch Tage oder sogar Wochen. Grund sind die seit bereits zwei Jahren anhaltenden Störungen in den globalen Versorgungsketten, ausgelöst durch die Corona-Pandemie, den Stau im Suezkanal und zuletzt nochmals deutlich spürbar durch den Ukraine-Krieg.

Hafen-Belegschaft soll Überstunden leisten

Die Lage in den hiesigen Häfen sei aktuell „äußerst angespannt“, wie aus einem internen Schreiben der Terminal-Geschäftsführung an die Belegschaft in Hamburg hervorgeht, das der Tagesschau und NDR vorliegt: „Wir brauchen circa 800 Schichten im Monat zusätzlich, um den Kreislauf an wartenden Schiffen zu durchbrechen und die Containerlawine zu bewältigen“, erläutern die Verantwortlichen. Sie bitten ihre Angestellten um Überstunden und den Verzicht auf freie Tage – zum Ausgleich soll es dafür zum Beispiel 100 Euro extra zum Gehalt geben, wer vier Überstunden leiste, erhalte 50 Euro zusätzlich. Diesem Vorstoß müsse der Betriebsrat allerdings noch zustimmen.

Die größten Schwierigkeiten gebe es aktuell am Burchardkai, an dem hauptsächlich Waren aus Fernost abgefertigt werden und wo – ironischerweise – gerade die „Ever Given“ liegt. Der riesige Containerfrachter hatte im vergangenen Jahr tagelang den Suezkanal blockiert und zu den anhaltenden Problemen in der Seefracht somit massiv beigetragen. Mit dem Löschen der Ladung komme man kaum hinterher, es fehle an Stellplätzen und Personal. Je mehr Container hinzukommen, desto enger wirds: Früher habe man 500 Meter gebraucht, um einen Container vom Lager zum Schiff zu bringen, heute sei dafür teilweise Wege von bis zu 1,5 Kilometer zurückzulegen, erläutert der Sprecher des Hamburger Hafenlogistikers HHLA, Hans-Jörg Heims, gegenüber dem Spiegel zur aktuellen Situation.

Lockdown in Shanghai wird die Situation verschlimmern

Ein wesentlicher Auslöser für die Probleme sind coronabedingte Hafenschließungen in China: „In Folge von Lockdowns in großen chinesischen Städten ist der Betrieb in den dortigen Häfen immer wieder unterbrochen worden. Und dann stauen sich dort die Schiffe. Löst sich der Stau auf, kommt die Welle ein paar Wochen später in Europa an“, erläutert Heims. Je länger diese angespannte Situation fortbestehe, desto schwieriger werde es, ausreichend Kapazität in den Häfen zur Verfügung zu stellen. 

Eben diese Problematik werde sich „in den nächsten Wochen noch drastisch weiter verschärfen“, prognostiziert Logistik- und Wirtschaftswissenschaftler Jan Ninnemann von der Hamburg School of Business Administration rechnet laut Tagesschau. Sobald der Hafen in Shanghai wieder im Takt sei, werden sehr viele Schiffe auf einmal gen Europa fahren. „Dann haben wir die große Welle hier. Die Staus werden dann noch länger werden.“ In der Folge führen die Schiffstaus zu Lieferverzögerungen und damit zu Engpässen. Das wiederum werde auch die Inflation weiter verstärken.

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/ Geschrieben von Hanna Behn