Neue, umfangreiche Corona-Schutzmaßnahmen in China haben weitreichende Folgen für die weltweite Wirtschaft.

Corona-Lockdown in Shanghai 2021
Robert Way / Shutterstock.com


Bereits Mitte März hatte die chinesische Behörden in mehreren Regionen, darunter die Metropole Shenzhen, Abriegelungen aufgrund von Corona-Ausbrüchen beschlossen. Seit Anfang dieser Woche gilt nun – nach temporären und lokalen Schließungen – ein umfangreicher Lockdown in der wichtigen Hafenstadt Shanghai, in der rund 26 Millionen Menschen leben. Die Behörden hatten am Sonntag eine Rekordzahl von 3.450 asymptomatischen Coronafällen registriert – dies entspräche etwa 70 Prozent der Gesamtfälle im Land, sowie zusätzlich 50 Fälle mit Symptomen, meldet das Nachrichtenportal Reuters. Laut Spiegel wurden von der Regierung landesweit 6.886 Neuinfektionen festgestellt, 4.400 davon in Shanghai. Es handele sich um Rekordwerte und Shanghai gilt als Corona-Hotspot. Im weltweiten Vergleich gelten die Infektions- und Todeszahlen in China als niedrig. 

China verfolgt weiterhin eine Null-Covid-Politik, weshalb die lokale Verwaltung am Montag die zweistufige Abriegelung der Stadt veranlasst hatte, um die Bevölkerung auf das Virus zu testen. Shanghai ordnete dabei außerdem die Schließung von Unternehmen an – öffentliche Dienstleistungen und Lebensmittellieferdienste ausgenommen. Infolgedessen kam es unter anderem zu Panikkäufen, aber auch zahlreiche Firmen mussten den Betrieb einstellen, da unter anderem Lkw-Fahrer ausfallen oder Beschäftigte nicht zur Arbeit kommen können. 

Logistikfirmen erwarten massive Störungen und Preissteigerungen  

Es ist nicht das erste Mal, dass China harte Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verhängt. So hatten beispielsweise im letzten Sommer Coronafälle in chinesischen Hafenterminals zu deren zeitweise Schließung geführt und für Probleme in den weltweiten Lieferketten gesorgt. 

Die aktuellen Einschränkungen gelten allerdings als die bisher größten – mit entsprechend gravierenden Folgen, wie erste Analysedaten und Reaktionen der Logistikunternehmen zeigen: Das Analysehaus Vesselsvalue registrierte, dass sich über 300 Schiffe vor der Küste Shanghais stauen würden –  dreimal so viele wie im Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2021. Ein hohes Schiffsaufkommen sei um diese Jahreszeit zwar normal, doch die Überlastung der Häfen läge deutlich über Normalniveau, meldet die DVZ

Der dänische Reederei-Konzern Maersk warnt vor steigenden Frachtraten: „Der Lkw-Verkehr in und aus Shanghai wird bis zum 5. April aufgrund der vollständigen Abriegelung der Stadtteile Pudong und Puxi um 30 Prozent eingeschränkt sein“, zitiert der Spiegel das Unternehmen. Man rechne wegen der noch bis Ende der Woche geschlossenen Lagerhäusern mit längeren Lieferzeiten und einem möglichen Anstieg der Transportkosten wegen Umleitungs- und Autobahngebühren. US-Logistiker Seko Logistics geht von einem Kostenanstieg in der Luftfracht aus, heißt es weiter.

Lieferengpässe erwartbar

Der Lockdown in Shanghai wurde in zwei Phasen geteilt, sodass zunächst die eine, dann die andere Hälfte der Stadt abgeriegelt wird. Auf diese Weise wollen die Behörden die Wirtschaft schonen. So wurde beispielsweise im Tesla-Werk die Produktion für vier Tage ausgesetzt, während etwa VW noch weiter produziert, da deren Produktionsstätte im Stadtteil liegt, der erst im zweiten Schritt vom Lockdown betroffen sein wird.   

Dennoch rechnet etwa Maximilian Butek von der Auslandshandelskammer in Shanghai zunehmend mit dem Stillstand der Produktion in mehreren Betriebstätten – was Folgen für die hiesige Wirtschaft hat: „Dies wird natürlich auch zu Lieferengpässen in Deutschland führen“, erklärte er laut Tagesschau.

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/ Geschrieben von Hanna Behn

Kommentare

#1 Heidemann 2022-03-30 15:41
also, wenn jetzt China - Taiwan besetzt - hagelt es Sanktionen von unserer Seite - und dann brauchen wir uns über die fehlenden Kapazitäten keine Sorgen mehr machen.
bis irgendwann mal einer feststellt, das wir uns selbst zu Tode Sanktionieren, sind hier schon lange die Lichter ausgegangen.



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