Russlands Kriegstreiben in der Ukraine führt auch zu deutlichen Beeinträchtigungen in Warenverkehr und Versorgung.

Züge und Güterwagen in Lwiw, Ukraine, im Januar
Züge und Güterwagen in Lwiw, Ukraine, im Januar 2022 | Mykola Tys / Shutterstock.com

Die Situation in den Lieferketten, die aufgrund der Corona-Pandemie insbesondere aufgrund der Omikron-Welle ohnehin angeschlagen ist, verschärft sich aufgrund des Krieges in der Ukraine: Kriegsbedingte Sperrungen im Luftraum, unterbrochene Schienenverbindungen, der Containermangel und fehlende Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer werden die Versorgung stark belasten. Mehrere Logistikunternehmen und Paketdienste haben den Betrieb bzw. Transporte in und aus der Ukraine eingestellt, darunter die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), DB Schenker, FedEx und UPS.

Störungen im Containertransport 

Die Direktverbindungen von Güterzügen zwischen Europa und China sind ausgefallen, da in der Ukraine keine Züge mehr fahren. Auf der Nordroute durch Russland könnte es ebenfalls zu Problemen kommen, da mögliche Cyberattacken Verbindungen stören könnten und es zu Zahlungsproblemen an russische Transportfirmen kommen könne, meldet das Handelsblatt.   

Die Unterbrechung des Schienengüterverkehrs ist problematisch, da über die „Eiserne Seidenstraße“ aufgrund der massiven Verknappung von Containerkapazitäten und den damit verbundenen längeren Transportzeiten in der Seefracht vermehrt eilige Waren per Schiene transportiert wurden. Fallen diese Transportwege weg, könnten sich Lieferengpässe verschärfen. Am Duisburger Hafen hofft man darauf, dass China Druck auf Russland ausübe, damit die Stecke wieder in Betrieb genommen werden könne. 

Auf die Seeroute könne man Ladungen jedoch nicht umleiten: „Auf den Seeschiffen gibt es derzeit allerdings keine Kapazitäten, um diese Ladung aufzunehmen“, zitiert die Welt Jens Meier, Chef der Hafenverwaltung Hamburg Port Authority. China gilt als einer der wichtigsten Handelspartner des Hamburger Hafens. 

Luftfracht eingeschränkt

Aktuell ist der Luftraum über der Ukraine gesperrt. Mehrere osteuropäische Länder und Großbritannien sperrten außerdem den Luftraum für russische Flugzeuge, inzwischen gilt dies auch EU-weit, wie das News-Portal Aerotelegraph berichtet. Russland sperrte in der Folge ebenfalls Lufträume. Nun müssen zahlreiche Flüge samt Fracht umgeleitet werden, was Verzögerungen nach sich zieht. Ein Kandidat für die Umleitung von Langstreckenflügen könnte der Flughafen Anchorage in Alaska sein, dieser sei zuletzt während des Kalten Krieges ein reger Umschlagplatz gewesen. 

Ausfälle von Lkw-Fahrern 

Nachvollziehbar kehren zudem zahlreiche ukrainische Beschäftigte zu ihren Familien zurück oder müssen militärischen Dienst leisten, mehrere Beschäftigte hätten nach den ersten Meldungen über die Kämpfe die Arbeit niedergelegt. Die Ukraine verbot am 25. Februar zudem allen Männern bis 60 Jahre wegen der Landesverteidigung die Ausreise. 

Entsprechend werde auch Personal auf wichtigen Versorgungsrouten fehlen, das gelte für den Schiffsverkehr – 14,5 Prozent aller Seeleute stammen aus der Ukraine und Russland – sowie für den Lkw-Verkehr: „103.000 ukrainische Fahrer sind bei polnischen Transportunternehmen beschäftigt. 22.000 weitere stammen aus Weißrussland“, erläuterte DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster gegenüber dem Handelsblatt. 

Darüber hinaus werden sich die Teuerungen von Energie und Öl voraussichtlich ebenfalls auf den Transportsektor auswirken und zu Preissteigerungen führen.

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/ Geschrieben von Hanna Behn




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