Seit 1. Juli 2021 gibt es die 22-Euro-Freigrenze innerhalb der EU nicht mehr. Für Waren bis zu einem Wert von 150 Euro startet der Zoll ab 15. Januar jetzt eine neue automatisierte Anwendung: Atlas-Impost.

Containerschiff im Zollhafen
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Die Europäische Union reformierte 2021 ihr Mehrwertsteuersystem. Es gab neue Regeln für den innereuropäischen grenzüberschreitenden Online-Handel, wie etwa die zentrale One-Stop-Shop-Plattform für die Umsatzsteuerzahlung oder die neue EU-weite Lieferschwelle von 10.000 Euro. 

Und auch für den Handel außerhalb der EU wurden einschneidende Neuerungen eingeführt. So wurde die Freigrenze von 22 Euro abgeschafft, unterhalb welcher beim Warenimport keine Einfuhrumsatzsteuer anfiel. Jetzt startet der Zoll in diesem Zuge die neue IT-Anwendung Atlas-Impost, um den Anstieg an Zollanmeldungen von Kleinsendungen unter 150 Euro zu bewältigen. Atlas-Impost steht für Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System Importabfertigung von Post- und Kuriersendungen.

Atlas-Impost startet wirklich ab 15. Januar

Lange wurde gezweifelt und spekuliert, ob die Anwendung wirklich wie angekündigt zum 15. Januar starten würde. Gegenüber dem Logistik Watchblog bestätigte ein Sprecher des Zolls nun aber, dass man das Startdatum einhalten werde. 

Der Vorteil von Atlas-Impost liege laut Zoll darin, dass Abfertigungsprozesse weitestgehend automatisiert ablaufen, was vor allem dem E-Commerce zugutekomme. Im Vergleich zu einer Standardzollanmeldung müssen weniger Daten angemeldet werden und der Datenaustausch zwischen Anwendungsteilnehmer und Zoll erfolge über WebServices, so der Zoll auf Nachfrage von Logistik Watchblog. 

Notwendig ist eine automatisierte Möglichkeit der Abfertigung deshalb, weil auch Kleinsendungen unter einem Warenwert von 150 Euro elektronisch beim Zoll gemeldet werden müssen, obwohl sie vom Zoll befreit sind. Und durch den Wegfall der Umsatzsteuerfreigrenze kommt es seit Juli 2021 schon zu viel mehr Zollkontrollen, um Steuerbetrug vorzubeugen. Diesen Anstieg der Zollanmeldungen will man beim Zoll mit Atlas-Impost bewältigen. 

Weiteres Zollanmeldungsverfahren für Unternehmen und Privatpersonen in Planung

Aber auch Unternehmen und Privatpersonen, die nicht am Atlas-Verfahren teilnehmen können oder wollen, sollen bald eine neue Möglichkeit zur Zollanmeldung von Kleinsendungen haben. Der Zoll plant noch 2022 eine neue Internetplattform online zu stellen, über die der neue Zollanmeldungstyp IPK (Internetanmeldung für Post- und Kuriersendungen mit einem Warenwert von bis zu 150 Euro) erfasst werden kann. 

Bis dieses Portal an den Start geht, können Verbraucher Zollanmeldungen im bisherigen Verfahren abgeben. Laut Zoll ändern sich die Verfahrensabläufe insbesondere für Privatpersonen nicht, die Kleinsendungen aus Drittländern wie der USA erhalten und selbst bei der zuständigen Zollstelle anmelden wollen.

/ Geschrieben von Patrick Schwalger