Mehrere Handelsunternehmen wollen gemeinsam mit der Österreichischen Post wiederverwendbare Verpackungen erproben. 

Grüne Verpackungen der Österreichischen Post
Bild: Österreichische Post

Auch in Österreich nehmen die Sendungsmengen wegen immer mehr Online-Bestellungen zu – und damit steigt auch der Anteil an benötigten Verpackungen und dem Verpackungsmüll. Gemeinsam mit der FH Oberösterreich forscht die Österreichische Post seit dem vergangenen Jahr deshalb an einem nachhaltigeren Ansatz für Verpackungen im Paketversand, woraus das Pilotprojekt „Grüne Verpackung“ entstand. An diesem werden sich auch die Handelsunternehmen Dm, Intersport, Interspar Weinwelt, Tchibo und Thalia beteiligen.

Das Land Oberösterreich unterstützt das Projekt und trage die Hälfte der Kosten. Diese lägen Post-Vorstand Peter Umundum zufolge im fünfstelligen Eurobereich, schreibt das Newsportal Dispo

Vier nachhaltige Verpackungslösungen ausgewählt 

Bisher wurden durch eine Umfrage unter Kundinnen und Kunden sowie unter den Handelsunternehmen 40 verschiedene Verpackungslösungen evaluiert. Nun arbeite man am operativen Set-up: „Der Beschaffungsprozess für die ausgewählten Verpackungen für den Pilottest läuft, die Schulung der Mitarbeiter*innen in der Kommissionierung wird konzipiert wie auch interne Prozesse werden adaptiert“, so Prof. Franz Staberhofer, Leiter des Logistikums an der FH Oberösterreich, zum Status Quo. Im Anschluss will man mit den fünf Kooperationsunternehmen vier nachhaltige Mehrweg-Verpackungen testen, die dafür ausgewählt wurden. Bei den Varianten würde bereits nach wenigen Kreisläufen der ökologische Break-even-Point im Vergleich zum herkömmlichen Einwegkarton erreicht, heißt es dazu in der Mitteilung der Post.   

Verwendet werden sollen Boxen aus Karton von Re-Zip, die 5-10 Zyklen überstehen würden und bereits in Dänemark getestet wurden, zudem Versandtaschen desselben Herstellers aus beschichtetem Holzfaserstoff, die sich vor allem für den Versand von Textilien eignen, mit einer etwas längeren Lebensdauer von bis zu 30 Zyklen. Für zerbrechlichere Güter gibt es eine Variante mit Polsterung aus recyceltem PET von Packoorang, die sogar bis zu 100-mal wieder verwendet werden könnte. Bei Verpackung Nummer vier handelt es sich um eine faltbare Tasche von Returnity. Sie enthält eine Einlage, die eine Versandmöglichkeit für bis zu sechs Flaschen bietet. 

„Wir haben Lieferanten ausgewählt, die existieren und nach Nachhaltigkeitskriterien erzeugen“, erklärt Franz Staberhofer, Leiter des Innovationszentrums für Logistik Logistikum-Leiter gegen über Dispo. Demzufolge gebe es auch Gespräche, ob die Firmen auch in Österreich produzieren würden.

Rückführung der Verpackung mit spielerischem Ansatz

Die Handelsunternehmen wickeln ihre Online-Bestellungen wie gewohnt ab und verschicken die Waren in den wiederverwendbaren Verpackungen. Die Verpackungen können nach dem Erhalt auf Briefgröße gefaltet werden – einfache Anleitungen seien aufgedruckt oder beigelegt – und können anschließend über Briefkästen, Post-Geschäftsstellen, SB-Zonen oder Zustellerinnen und Zusteller an die Handelsunternehmen zurückgehen. Diese wiederum reinigen die Verpackungen und nutzen sie erneut für den Versand.

Ob dies tatsächlich funktionieren wird, ist aktuell noch fraglich. Dennoch habe eine Vorstudie der FH ergeben, dass 56 Prozent der Konsumierenden aus Österreich gegenüber wiederverwendbaren Verpackungen positiv eingestellt seien. Mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) würde auch bis zu drei Euro mehr für Online-Waren zu bezahlen, solange diese ausreichend Schutz, einfache Handhabung und umweltfreundliches Material anbieten. Damit die Rückgabe aber womöglich noch attraktiver wird, gibt es auf den Verpackungen auch ein spielerisches Element: „Auf der Innenseite ist eine Landkarte zum Ankreuzen, wo die Box schon überall war“, so der Logistikum-Leiter Staberhofer. Ein Pfandsystem sei bisher nicht angedacht. 

Im Februar des kommenden Jahres startet der Testversand und läuft dann bis Juli. Versendet werden zunächst ausgewählte Produktgruppen.

/ Geschrieben von Hanna Behn

Kommentare

#1 Timo Oelfke 2021-11-15 12:17
Überlegungen zu derartigen Möglichkeiten gibt es schon lange. Meistens scheitert es aber an dem Punkt, wo die Verpackung retouniert wird. Sobald hier für den Empfänger dann Kosten als Absender entstehen, beginnt das System zu bröckeln. Dazu wird die Verpackung nicht zeitnah zurück gesendet, wodurch dem eigentlichen Absender höhere Kosten für mehr im Stock lagernde Verpackung entsteht.
Nimmt man noch die Kosten für die Reinigung und die eh schon höheren Anschaffungskos ten dazu, wird es viel Überzeugungsarb eit brauchen, um den Großteil der Konsumenten davon zu überzeugen, die Zeche für Umweltfreundlic hkeit zu zahlen.



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