In Nordrhein-Westfalen liegen die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden aus der Logistik und der Gewerkschaft Verdi auf Eis. 

Streikende Mitarbeiter in der Logistik (Symbolfoto)
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Seit dem 20. August verhandeln die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi mit dem Verband Verkehrswirtschaft und Logistik Nordrhein-Westfalen e. V. sowie mit der Vereinigung Bergischer Unternehmerverbände über Lohn- und Gehaltstarifverträge bei Speditionen, sowie in Logistik- und Kurier-Express-Paket-Unternehmen. 

Am 24. September gingen die Verhandlungen bereits in die dritte Runde. Dem vorausgegangenen waren mehrere Streikmaßnahmen, von denen u. a. auch DPD-Standorte betroffen waren. Insgesamt hätten sich in der vergangenen Woche rund 1.000 Beschäftigte an den Streiks beteiligt, wie Verdi mitteilte.

Keine Einigung nach zehnstündiger Verhandlung

Auch nach zehn Stunden Dauer konnten Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite keine Einigung erzielen – zu unterschiedlich sind offenbar die Positionen: Verdi fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 6 Prozent, mindestens aber 150 Euro, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Auch solle ein neues Lohnsystem für Beschäftige eingeführt werden, das Lohnerhöhungen in sechs Stufen von jeweils 145 Euro vorsieht. Darüber hinaus soll die Vergütung für Auszubildende pro Jahr um 80 Euro erhöht werden. Ausbildungsjahre sollen zudem als Beschäftigungsjahre angerechnet werden.

Bereits seit der ersten Verhandlungsrunde erklärte die Arbeitgeberseite, dass die Forderungen „schlichtweg unbezahlbar seien“, wie der VVWL in einer Pressemitteilung schreibt. „Gerade die stufenweise Erhöhung nach Gruppenzugehörigkeit führt in der Spitze zu einer Erhöhung von 38 Prozent. Eine derartige Forderung hat es in der Geschichte der Tarifverhandlungen noch nie gegeben“, so Thomas Schulz, VVWL-Vorsitzender und Verhandlungsführer. Viele, vor allem mittelständische Unternehmen aus der Branche, seien zudem wirtschaftlich nicht entsprechend aufgestellt. „Weite Teile der Logistik hatten in der harten Corona-Phase starke Einbußen und haben nicht vom E-Commerce-Boom profitiert“, heißt es vom VVWL. Auch die aktuellen Probleme in der Lieferkette und hohe Mehrausgaben würden die Situation der Betriebe derzeit erschweren. 

Arbeitgeber nur unter Vorbehalt für weitere Verhandlungen bereit – weitere Streikwelle angekündigt

Zustimmung fand arbeitgeberseitig eine grundsätzliche Einführung eines Entgeltstufensystems bei den gewerblichen Arbeitnehmern mit insgesamt fünf Stufen. Die  Beschäftigungsdauer im Entgeltgruppensystem solle mit insgesamt bis zu 180 Euro monatlich vergütet werden. Zudem sei man bereit für eine Erhöhung der Grundvergütung von 7,8 Prozent bei einer Laufzeit von 36 Monaten.  Weitere Verhandlungen könnte es einem Gewerkschaftsvorschlag zufolge am 22. Oktober geben. Aus Arbeitgebersicht wolle man dies allerdings nur, „wenn die Gewerkschaft an der ursprünglichen unerfüllbaren Forderung nicht stur festhält und selbst in ernsthafte Verhandlungen mit uns eintreten will statt uns ein Diktat aufzwingen zu wollen“, so Thomas Schulz. 

Aus Verdis Sicht sei das Angebot der Arbeitgeberseite „im Niveau so niedrig, dass sie bestenfalls als ,Trinkgeld‘ bezeichnen werden können“ und Beschäftigte müssten Lohnkürzungen in Kauf nehmen, erklärt die Gewerkschaft zum Thema. „Die zweite Streikwelle haben die Arbeitgeber provoziert und starten ab sofort“, kündigte Verdi an. Unter anderem mit dem Aufruf „Arbeitgeber provozieren“, der sich auch auf einem Plakat befindet, das Verdi in Betriebe gesendet hat, will die Gewerkschaft ihren Forderungen Nachdruck verleihen.

/ Geschrieben von Hanna Behn




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