Die Auswirkungen der Überschwemmungskatastrophe haben Deutschland weiterhin fest im Griff. 

Extremes Wetter: Warnschild am Eingang einer überschwemmten Fußgängerzone in Köln
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Infolge des starken Hochwassers wurden die hiesige Infrastruktur sowie Versorgungslinien stark beschädigt. Das Bundesverkehrsministerium rechnet mit 700 Millionen Euro für die Instandsetzung von Autobahnen, Straßen und Brücken wie die „Bild am Sonntag“ meldete. Allerdings könne die Sanierung einiger Strecken noch Monate oder gar Jahre dauern. 

Ebenso ist das Schienennetz enorm in Mitleidenschaft gezogen worden: „In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört. Wir stehen vor einem gewaltigen Kraftakt“, erklärte Volker Hentschel, Vorstand Anlagen- und Instandhaltungsmanagement der DB Netz, laut Verkehrsrundschau. Einer ersten Einschätzung zufolge hätten die Wassermassen an Netz und Bahnhöfen etwa 1,3 Milliarden Euro Schaden verursacht. Einige Streckenabschnitte seien noch überschwemmt oder sogar gänzlich verschwunden. Bis zum Jahresende wolle man etwa 80 Prozent der beschädigten Infrastruktur wieder reparieren. 

Deutlich verspätete Sendungen

Die Beeinträchtigungen der Infrastruktur wirken sich auf die Lieferketten aus. In Deutschland habe sich der Straßengütertransport seit dem 11. Juli deutlich verlangsamt: Der Anteil verspäteter Sendungen stieg um 15 Prozent im Vergleich zur Vorwoche, wie die Lieferketten-Tracking-Plattform FourKites ausgewertet hat. In dem ebenfalls stark vom Hochwasser betroffenen Belgien liege der Wert sogar bei 18 Prozent, in den Niederlanden sei die Lage noch etwas stabiler.

Verzögerungen gebe es bei Komplettladungen, noch stärker allerdings in der Stückgutfracht. Bei letzterer wurden in Belgien 32 Prozent und in Deutschland 26 Prozent mehr verspätete  Sendungen registriert. Die Standzeiten hätten sich in Belgien um 14 und in Deutschland um 10 Prozent erhöht. „Wenn die Lieferketten in der Region nicht in der Lage sind, sich schnell zu erholen, könnten die langfristigen Auswirkungen der Katastrophe weiter zunehmen, da Städte und Haushalte nicht in der Lage sind, die Güter zu erhalten, die sie benötigen, um sich ihr zu erholen. Ein ähnliches Muster sahen wir in den ersten Tagen der COVID-19-Pandemie, als New York City unter dieser litt und nicht in der Lage war, ausreichende Mengen an kritischen Gütern zu erhalten“, warnt der stellvertretende Leiter für Custumer Success bei FourKites, Glenn Koepke.

Auch die Paketdienstleister melden weiterhin Verzögerungen bei der Zustellung von Sendungen. Global gilt die Situation ebenfalls als angespannt, auch in China haben starke Regenfälle für Überschwemmungen und Schäden an der Infrastruktur gesorgt. Darüber hinaus gelten die globalen Lieferketten wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie derzeit ohnehin als sehr angespannt. 

/ Geschrieben von Hanna Behn