Das Sendungsvolumen ist coronabedingt enorm angewachsen – zu Beginn der Pandemie hatte die KEP-Wirtschaft mit einem solchen Anstieg nicht gerechnet.  

Paketmengen wachsen: Viele Pakete auf einem großen Stapel
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Im vergangenen Jahr wurden erstmals insgesamt rund 4,05 Mrd. Sendungen von Kurier-, Express- und Paketdienstleistern (KEP) verschickt. Im Schnitt seien dies mehr als 13 Millionen Sendungen pro Tag, die an rund 8 Millionen Empfängerinnen und Empfänger zugestellt werden.

Zu den Spitzenzeiten Weihnachtsgeschäft und Mai seien gar 20 Millionen Sendungen täglich unterwegs gewesen, so Marten Bosselmann, Vorsitzender des Bundesverbandes Paket und Expresslogistik (BIEK), im Rahmen der Vorstellung der aktuellen KEP-Studie. Bereits seit 2004 erhebt der Verband, der neben 3.500 kleinen und mittelständischen Logistikunternehmen auch DPD, GLS, GO!, Hermes und UPS vertritt, jährlich die Lage am Paketmarkt. 

Sendungs- und Umsatzwachstum haben sich stark beschleunigt

Zum zum ersten Mal in den letzten zwanzig Jahren konnte ein Anstieg des Sendungsvolumens im zweistelligen Bereich beobachtet werden – die Mengen stiegen um insgesamt 10,9 Prozent, also etwa 400 Mio. Sendungen, im Vergleich zum Vorjahr. 2019 waren es noch etwa 3-Mal weniger Pakete und Päckchen. Dabei zeigen sich im Jahresverlauf noch deutliche Schwankungen: Im ersten Halbjahr 2020 wurde noch ein Anstieg der Paketmengen von rund 7,4 Prozent verzeichnet, im zweiten mit 14,1 Prozent beinahe doppelt so viel.

Zu Beginn der Corona-Pandemie hätte die KEP-Wirtschaft noch nicht damit gerechnet, erläuterte Studienautor Dr. Klaus Esser von der KE-Consult Kurte & Esser GbR, dessen Unternehmen die Studie im Auftrag des Verbands durchführte. Anteil am starken Wachstum hat mit gut 85 Prozent vor allem der reine Paketmarkt, Kurier- und Expresssendungen machen knapp 15 Prozent Marktanteil aus. Der Paketanteil hat sich in den letzten Jahren damit um fast vier Prozent erhöht. 

Das starke Wachstum wirkte sich auch auf die Erlöse aus: Der Gesamtumsatz betrug in 2020 rund 23,5 Milliarden Euro, ein Rekordumsatz und Plus von 2,2 Milliarden Euro bzw. 10,5 Prozent im Vergleich zu 2019. In den letzten zehn Jahren wurden sogar zwei Drittel mehr Umsatz in der KEP-Branche erzielt. 

Mehr Sendungen an Endkunden dank Online-Handel

Der Durchschnittserlös je Sendung blieb 2020 stabil bei 5,81 Euro – es sind zwei Cent weniger als im Vorjahr. Grund dafür ist Studienautor Kessler zufolge, dass es im B2B-Bereich insgesamt weniger Sendungen gab – hier sank das Volumen um 5,2 Prozent –, bedingt dadurch, dass der Handel wegen der coronabedingten Schließungen weniger Lieferungen benötigte. Im Endkundengeschäft seien Sendungen etwas günstiger. Dieses Segment hat beim nationalen Versand allerdings wegen des pandemiebedingten verstärkten Online-Handels stark an Bedeutung gewonnen – hier stiegen die Mengen um 18,6 Prozent –, was sie zum Haupttreiber des gesamten KEP-Sendungswachstums mache. 

Ausblick: Bis 2025 werden fast 5,7 Milliarden Sendungen erwartet

Dieses enorme Wachstum durch die Corona-Pandemie beeinflusst auch die künftige Entwicklung: Für 2021 prognostiziert die KEP-Studie insgesamt rund 320 Mio. weitere Sendungen – ein Plus von 8 Prozent. Bis 2025 wird sogar mit einem jährlichen Sendungswachstum von 7 Prozent auf 5,68 Mrd. Sendungen gerechnet. Diese mittelfristige Prognose wurde zwischenzeitlich angepasst. Zu Krisenbeginn war man von einem 4-prozentigen Anstieg ausgegangen. Das bedeutet auch, dass mehr Fachkräfte benötigt werden: „Der Bedarf an innovativen Lösungen für die urbane Logistik steigt. Bis 2025 werden wir zudem 12.000 zusätzliche Beschäftigte pro Jahr benötigen – vor der CoronaPandemie wurde noch ein Bedarf von ‚nur‘ 7.000 zusätzlichen Beschäftigten pro Jahr erwartet“, erläutert BIKE-Vorsitzender Bosselmann.

Insgesamt hätten sich die Paketdienstleister in der Krise als verlässliche Partner bewährt, so Marten Bosselmann. Die Pandemie habe den KEP-Markt aber nachhaltig beeinflusst – und bringt neue Herausforderungen mit sich. „Schneller als erwartet steigende Sendungsmengen verstärken in Ballungsräumen und Innenstädten die Herausforderungen, die mit der Zustellung verbunden sind. Der Bedarf an innovativen Lösungen für die urbane Logistik steigt.“ Darüber hinaus hat auch der Brexit für Mehraufwand und Kosten gesorgt – hier werde allerdings eine Normalisierung erwartet. „KEP-Unternehmen passen sich kontinuierlich neuen Herausforderungen an und investieren massiv in Zukunftsthemen“, erklärt der Verbandschef. 

/ Geschrieben von Hanna Behn