Insgesamt elf Tage lang sorgte die Havarie eines Containerschiffs für Stau auf der wichtigen Handelsroute zwischen Asien und Europa. Inzwischen fließt der Verkehr wieder.

Industriecontainerschiff durch Suez Canal
Igor Grochev / Shutterstock.com

Am 29. März konnte die „Ever Given“, ein 400 Meter langes Containerfrachtschiff, dass im Suezkanal auf Grund gelaufen war und diesen nach einem Manöver komplett blockierte, freigelegt werden. Vom 30. März bis 4. April löste sich der Stau der Schiffe auf, die an den jeweiligen Kanalenden das Ende der Blockade abgewartet haben. Insgesamt hätten in dem Zeitraum 532 Schiffe den Kanal passiert – pro Tag etwa 85, wie das News-Portal des Logistikunternehmens GAC mit Verweis auf die ägyptische Kanalbehörde meldet. 

Nun solle der Verkehr wieder wie zuvor laufen, täglich würden 44 Schiffe – 22 aus jeder Richtung – den Suezkanal durchqueren. 

Ägypten fordert fast eine Milliarde Dollar Schadenersatz 

Das Containerschiff selbst fahre allerdings noch nicht weiter, denn die ägyptische Kanalbehörde wolle sich mit der „Ever Given“ zunächst auf Schadenersatz einigen: „Wir haben viel Mühe und Arbeit in die Rettung des Schiffs gesteckt. Wir haben täglich Einnahmen verloren. Uns steht eine Entschädigung zu“, zitiert das Handelsblatt hierzu ein Statement von Usama Rabi, dem Vorsitzenden der Kanalbehörde, gegenüber des Nachrichtenportals Al-Ahram. Ägypten fordere eine Milliarde Dollar, um die Verluste von 14 bis 15 Millionen Dollar pro Tag auszugleichen und auch die Kosten, die durch die tagelange Bergung des Frachters mit Baggern und Schleppern entstanden seien, zu decken. Auch habe man die Fracht des Schiffes, die einen Wert von etwa 3,5 Milliarden Dollar haben soll, gerettet. 

Der Stau im Suezkanal wird noch länger wirtschaftliche Folgen haben, neben einer stärkeren Auslastung europäischer Häfen gehen Experten auch von einer Steigerung der Transport- und Versicherungskosten aus. Inwieweit Händler, die nun von Lieferverzögerungen betroffen sein könnten, haften müssen, haben wir an dieser Stelle zusammengetragen. 

Die Ermittlungen, wie es überhaupt zu dem Unfall kommen konnte, dauern weiterhin an und werden sowohl von Behörden aus Ägypten als auch aus Panama – da die Ever Given unter der panamesischen Flagge fuhr – durchgeführt.

Update: Inzwischen hat Ägypten die Höhe der geforderten Schadensumme bekannt gegeben: Man fordere 900 Millionen Dollar, meldet die Tagesschau. Das Schiff werde weiterhin zur Absicherung beschlagnahmt, bis die Summe beglichen sei. Der Allianz-Versicherung zufolge seien weltweit zudem Kosten von sechs bis zehn Milliarden Dollar durch die Havarie entstanden.

/ Geschrieben von Hanna Behn




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