Steigende Paketmengen durch den Online-Handel erhöhen nachweislich die Verkehrsdichte in Städten durch immer mehr Lieferfahrzeuge. Die Corona-Pandemie hat diese Tendenz noch verschärft.  

Fahrradkurier mit Paketen
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Ein steigendes Verkehrsaufkommen in den Städten bedeutet aber auch mehr Treibhausgas-Emission und erhöht das Risiko für Verkehrsteilnehmende, in Gefahrensituationen zu geraten. Zugunsten einer nachhaltigen Stadtentwicklung gelte es daher, die urbane Logistik zu optimieren. Das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) befragte über 300 Experten und Expertinnen, die sich beruflich oder ehrenamtlich mit Stadtentwicklung, Logistik und Mobilität beschäftigen, welche Konzepte tatsächlich etwas verbessern könnten. Parallel zur Befragung wurde ein Pilotprojekt im Berliner Holzmarkt-Areal durchgeführt und neue Methoden für Ver- und Entsorgung erprobt.

Laut dem hierzu jüngst veröffentlichten Forschungsbericht „Logistik und Mobilität in der Stadt von morgen“ wird von den Befragten zunächst aber grundlegend ein „ein radikaler ökologischer Wandel von Mobilitäts- und Konsumgewohnheiten sowie Investitionen in eine Verkehrs- und Logistikwende gefordert. Unter dem Schlagwort „Copenhagenize!“ wird das Ideal einer Stadt der kurzen Wege gezeichnet, in der umweltschonende Verkehrsmittel und das Teilen von Fahrzeugen Vorrang haben“, heißt es in der entsprechenden IRS-Mitteilung.    

Keine kostenlosen Retouren und anbieteroffene Zustellkonzepte

Im Lieferverkehr sollten den Experten und Expertinnen zufolge vermehrt Lastenräder zum Einsatz kommen – damit gehe „eine fast schon radikale Abwendung vom motorisierten Individualverkehr“ einher, schreiben die Studienautoren des IRS. Zudem sprachen sich viele Befragte für anbieteroffene Packstationen und Mikrodepots zur Optimierung der letzten Meile aus. Doch auch kundenseitig sollten mehr Anreize für bewussteres Online-Shopping geschaffen werden. Hier gelten Aufpreise für Haustürzustellungen und ein Verbot kostenfreier Retouren als hilfreiche Maßnahmen. Konsumierende müssten auch auf Car-Sharing statt auf ein eigenes Auto setzen sowie mehrheitlich regional hergestellte Produkte kaufen.

Ein entsprechendes soziales und ökologisches Bewusstsein für die Akzeptanz solcher nachhaltiger Logistik-Lösungen zeige sich den Studienautoren zufolge aber eher in „jungen und kreativen Milieu“, die einerseits eine postmaterialistische Wertehaltung haben und andererseits meist gut situiert sind. „Für eine breite Etablierung von nachhaltigen Logistiklösungen kommt es darauf an, diese Angebote auch für weniger privilegierte Bevölkerungsschichten attraktiv zu machen“, lautet deshalb eine Forderung des IRS. 

Verwaltungsstelle für den Güterverkehr 

Einen Leitfaden mit Optimierungsvorschlägen im städtischen Güterverkehr liefert zudem die Denkfabrik Agora Verkehrswende, wie Logistik-heute meldet. Dieser enthält ähnliche Ansätze wie der Forschungsbericht des IRS, empfiehlt zusätzlich aber auch die Einrichtung von Ladezonen, Niedrig- bzw. Nullemmissionsbereichen sowie Straßnenutzunsgebühren. Diese Zonen sollen Anreize für KEP-Dienstleister schaffen, Fahrten zu bündeln. Städten ab einer Größe von 200.000 Einwohnern wird außerdem eine eigene Verwaltungsstelle nur für Anliegen zum Güterverkehr empfohlen, die sich zentral der Strategieentwicklung, Datenerhebung und Planung und dem gemeinsamen Dialog widmet. 

/ Geschrieben von Hanna Behn