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Die letzten Meter sind bekanntermaßen besonders schwierig, sei es kurz vorm Gipfel, beim Marathon oder bei der Parkplatzsuche im beliebtesten Wohngebiet der Stadt. Und auch im Online-Handel bzw. in der Logistikbranche ist diese berühmte letzte Meile immer wieder kritisch – Alternativen in der Zustellung sind daher immer wichtiger.

Pakete vor der Tür
Africa Studio / Shutterstock.com

Wenn die online bestellte Ware endgültig in die Hände des Kunden gelangen soll, das bleibt für Händler und Kunden und, allen voran, für KEP-Dienstleister eine ständige Herausforderung. Kein Wunder: Es müssen nicht nur immer mehr Pakete ausgeliefert, sondern eben auch überhaupt in Empfang genommen werden, gleichsam wächst die Retourenmenge. In der Konsequenz haben viele Paketzusteller die Preise für die Sendungszustellung im ersten Quartal dieses Jahres bereits erhöht, voraussichtlich werden sich die Kosten für die Paketzustellung sogar bald verdoppeln. Gerade für die Haustürzustellung sind Zuschläge nicht mehr nur eine denkbare Option. Darauf wiederum müssen Händler reagieren und künftig wohl eher auf Gratislieferungen verzichten. Ganz klar, Lösungen müssen her.

Hauptsache, nicht stundenlang zu Hause warten

Kunden haben da eine recht genaue Vorstellung, zeigt eine aktuelle Bitkom-Umfrage. Demnach wünscht sich jeder dritte Deutsche, dass es neben seinen eigenen Briefkasten direkt noch einen Paketkasten gäbe. Das brächte in der Tat auf der Kundenseite entscheidende Vorteile: Es wäre nicht nötig, stundenlang zu Hause auf die Sendung zu warten oder nachbarschaftliche Beziehungen müssten so nicht zwingend überstrapaziert werden. Wer voll berufstätig ist, schafft es ohnehin selten zu den Öffnungszeiten der Postfilialen, in denen nicht zustellbare Sendungen meist hinterlegt werden – und oftmals ist dort auch einige Wartezeit einzuplanen. Und, wenn man mal den Dunstkreis der Großstadt verlässt, gerade auch auf dem Land wäre dies für viele Haushalte eine echte Erleichterung, wo es infrastrukturbedingt weniger solcher Paket-Shops gibt. Gleichsam würde man durch solche Zustellmodelle nicht so stark in die Privatsphäre der Kunden eindringen, als das etwa Garagenlieferungen, wie laut dem Amazon Watchblog Amazon sie gerade in den USA anbietet, oder smarte Lösungen für Türöffnungen, wie Vodafone sie hierzulande etablieren will, der Fall wäre.

Aber auch für die Zusteller wären Paketboxen an der Haustür keine schlechte Idee: Sie sparen sich das erfolglose Klingeln, mühsame Treppensteigen, aufwendigere Einzelzustellungen in Mehrfamilienhäusern oder Bürogebäuden sowie den zusätzlichen Weg zur Postfiliale, um die letztlich unzustellbaren Sendungen zu hinterlegen. Und selbstverständlich profitieren auch die Online-Händler – von zufriedenen Kunden.

Auf die Umsetzung kommt es an

Nun ist es ja nicht so, dass ein solches Konzept noch keinem in der Logistikbranche eingefallen wäre. DPDHL beispielsweise hat bereits mit Paketkästen für private Haushalte experimentiert. Allerdings nicht so erfolgreich: Wie OnlinehändlerNews berichtet, erklärte Post-Chef Frank Appel dazu: „Der Bedarf war deutlich geringer, als wir das erwartet haben.“ Eine andere Idee von DHL sind daher öffentliche Paketkästen, ähnlich, wie es sie als Packstationen bereits deutschlandweit gibt, wenngleich auch noch nicht in allzu großer Zahl.  

Es erscheint aber auch gar nicht sinnvoll, dass jeder Anbieter ausschließlich eigene Ideen verfolgt, um den eigenen Zustellservice zu verbessern. Denn Kunden wünschen sich laut der Bitkom-Umfrage tatsächlich eher anbieterunabhängige Lösungen. So könnte es vielleicht nicht unbedingt private, aber möglicherweise mehr Paketboxen an zentralen Orten geben, auf die alle Paketlieferanten sowie eine bestimmte Personengruppe Zugriff hätten. Das hätte zur Folge, dass sich die Wege und der Aufwand für die Zustellung verkürzen – ein Pluspunkt in Sachen Umweltschutz. Gleichsam würden die Unternehmen so auch Ressourcen und entsprechend Kosten sparen.

Und falls noch nicht klar ist, wo solche Boxen stehen sollen, dann könnten sie ja im Zweifel auch herumfahren – wie aktuell auf der Bundesgartenschau in Heilbronn präsentiert:

 

Also, Konkurrenz hin und oder hier und ganz im Sinne von „Zusammen ist man weniger allein“: Die Idee der Paketboxen hat weiterhin großes Potential – nämlich, wenn es sie von allen für alle gibt.

/ Geschrieben von Hanna Behn


Kommentare

#3 Constanze Trojan 2019-04-30 14:11
Und eine Lösung - inwischen auch für den öffentlichen Raum - bietet pakadoo mit seinen Paketschränken. Zentral platziert, wie beispielsweise im Falle des Einkaufszentrum s LAGO in Konstanz, lassen sich das Paketabholen und Besorgungen vor Ort verbinden. Und Paketboten können bei einem Stopp geschäftliche und private Sendungen abliefern.
#2 Ulrike Morlock 2019-04-29 15:09
Das ist zwar für den Endkunden bequem, doch löst es nicht das Problem des stetig zunehmenden Lieferverkehrs in den Städten. Das Ziel sollte eher eine Paketdienst-una bhängige, gebündelte Zustellung an zentrale Anlieferpunkte sein, wie sie z.B. www.pakadoo.de in Unternehmen oder im öffentlichen Raum anbietet.
#1 Jörg Hänel 2019-04-29 11:58
Mehr Paketboxen an der Haustür für alle Lieferanten bietet PAKETIN.de an.

Schon jetzt können alle Lieferanten, auch lokale Händler in die Fächer einliefern und abholen. Das gilt für Ein- und Mehrfamilienhäu ser. Im europäischen Standardinstitu t CEN wird gerade diese neutrale Lösung erstellt.

Das schöne dabei ist, die Wohnungswirtsch aft schafft diese Paketfächer wie Briefkastenanla gen an. Die Logistiker nutzen dann die Fächer wie die vorhandenen Briefkästen.



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