Immer mehr Warensendungen mit einem Gewicht unter zwei Kilo werden beim Endverbraucher zugestellt. Ohne eine normierte Verpackung, wie es sie beispielsweise beim Briefversand gibt, ist eine effiziente und sichere Verarbeitung und Zustellung kaum möglich.

Kaputtes Paket
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Die Mengen an Postsendungen, in denen Waren mit oder ohne kommerziellen Wert versandt werden, steigen jährlich zweistellig. 2018 werden in den meisten Staaten der EU mehr Warensendungen an Haushalte zugestellt als Transaktionsbriefsendungen (Kontoauszüge, Rechnungen oder Behördensendungen). Weit mehr als die Hälfte der über 1,5 Milliarden Warensendungen wiegt weniger als zwei Kilogramm. Abhängig von den Maßen der Produkte würden mehr als ca. 40 Prozent der Päckchen in die gesetzlich vorgeschriebenen normgerechten Briefkästen und -fachanlagen der deutschen Konsumenten passen.

Für Briefpost gibt es seit Jahrzehnten technische Spezifikationen, die Normgrößen für Kuverts festschreiben. Damit war die maschinelle Erstellung des Inhalts, die Befüllung, die Einsammlung, die automatische Sortierung bis hin zur Routenoptimierung für die Zustellung und der Aufbau eines globalen Postnetzes erst möglich. Die normierten Verpackungen (Kuverts) ermöglichten erst die enormen Effizienzgewinne, die heute die Servicequalität der Postbetreiber in Deutschland und ganz Europa ausmachen.  

Verpackungen für briefkastenfähige Sendungen

Online-Handelsverbände, Zustelldienste, Konsumentenschützer und Hersteller stellen sich der Notwendigkeit, die Verpackung der Warensendungen zu normieren, um die Effizienz in den Prozessen der Warenzustellung nachhaltig zu verbessern.

Eine technische Spezifikation wird die Beschaffenheit der Verpackungsmaterialien für verschiedene Produktgruppen und Versandbedingungen von Warensendungen, die in Briefkästen passen, wie sie schon in den Vertragswerken des Weltpostvereins, Art 17 (s.g. „small packets“) oder der Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates zu grenzüberschreitenden Paketzustelldiensten (s.g. „Pakete“) definiert worden sind, normen.

Die Verpackung richtet sich nach der Ware

Die Spezifikation der Verpackung hat sich nach der Ware in der Warenbriefsendung zu richten. Dabei ist darauf zu achten, dass die Beschaffenheit des Verpackungsmaterials dem Zweck der Verpackung entspricht. Das Ziel ist, die Ware in einem bestmöglichen Zustand zu verpacken und bestmöglich in die Abgabeeinrichtung des Empfängers einlegen zu lassen.

Normierte Abmessungen und Volumen

Die Normung der Abmessungen und des Volumens kommerzieller Warenbriefsendungen erhöht den Automatisierungsgrad in der Bearbeitung, führt zu einer signifikanten Steigerung der Prozesseffizienz im Produktionsablauf und einer Verbesserung der Auslastung bestehender Ressourcen.

Die Experten des Europäischen Komitees für Normung gehen von ähnlichen Effizienzsteigerungen aus, wie sie bereits durch die Normung der Kuverts im Briefpostverkehr vor etwa drei Dekaden möglich geworden war.

Steigerung der Zustellqualität, weniger Beschwerden

Zunehmend kommt es im Online-Handel zu Beschwerden von Konsumenten, die sich auf Beschädigungen an der Verpackung der Warensendungen zurückführen lassen. Normgerechte Verpackungen, deren Beschaffenheit der zu transportierenden Ware entspricht, werden die Anzahl der Beschwerden und die mit der Qualität der Verpackung verbundenen Herausforderungen reduzieren.

Die Industrie verfügt über Materialien, die bezogen auf Warengruppen, unterschiedlichste Lösungen bietet. Ziel der Normung ist es, den Versendern normierte Verpackungsvarianten zugänglich zu machen, die höchste Effizienz bei den Zustelldienstleistungen bei größtmöglicher Nachhaltigkeit der Prozesse gewährleistet.

Der veränderte Sendungsmix führt zu einer Evolution der Infrastruktur

Der Online-Handel und die zunehmende Digitalisierung haben zu einer grundlegenden Veränderung der bestehenden Sendungsströme geführt.

Zustelldienste sind schon allein aufgrund der stark steigenden Mengen und des immer stärkeren grenzüberschreitenden Charakters des Online-Handels auf Zusammenarbeit angewiesen. Allgemeingültige Normen und Standards verbessern den Austausch und die Effizienz.

Der Anteil der Warensendungen unter zwei Kilogramm wächst. Es kommt zunehmend zu einer Differenzierung zwischen Sendungen, die in kostengünstigeren Zustellnetzen zugestellt werden können und solchen, die eigene Zustellfahrzeuge oder alternative Hinterlegungsmöglichkeiten bedingen.

In dem Maße, indem die Abgabe von normierten Sendungen in bestehende normierte Abgabekästen oder Fächer möglich ist, können auch bestehende Kosten flexibilisiert und konkurrenzfähige Angebote am Markt etabliert werden. Eine der notwendigen Voraussetzungen, um bestehende flächendeckende Infrastruktur zu nutzen, sind normierte Verpackungen, die effizient und damit kostengünstig zugestellt werden können.

 


Über der Autor

Walter Trezek ist Vorsitzender des beratenden Komitees des Weltpostvereins; Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe „e-logistics“ von Ecommerce Europe und Vorsitzender des technischen Komitees „Neue digitale Postdienste“ im Europäischen Komitee für Standardisierung.

/ Geschrieben von Gastautor




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