In Augsburg musste sich ein betrügerischer Paketbote nun vor dem Amtsgericht verantworten. Der Schadenswert soll bei über 5.000 Euro liegen. Aktuell leider nicht der einzige Bestell-Betrugsfall: Die Augsburger Kriminalpolizei ermittelt derzeit gegen mehrere Tatverdächtige, teilweise wird sogar von einer bandenmäßigen Organisation ausgegangen.

Paketbote im Auto mit vielen Paketen
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In Deutschland häufen sich die Bestellbetrüge, in die Paketboten involviert sind. Auch wenn der Zusammenhang zwischen dem wachsenden Online-Handel und mit dem dadurch einhergehenden gestiegenen Paketvolumen nicht belegt ist, findet die Entwicklung zumindest parallel zum Wachstum des Online-Versandhandels statt.

Wie die Mitteldeutsche Zeitung berichtet, bereiten Diebe in der Belegschaft bei Zustellunternehmen bundesweit zunehmend Probleme. Allein in Sachsen-Anhalt wurden in den vergangenen Monaten mehr als ein Dutzend Fälle registriert. Laut MZ hat es 2016 in neun Fällen Hinweise und einen begründeten Verdacht gegen Mitarbeiter verschiedener Zustellfirmen gegeben. Auch in Sachsen wird nach Aussage der Polizeisprecherin Maria Braunsdorf „regelmäßig“ ermittelt. Im bayerischen Augsburg ermittelt die Kriminalpolizei aktuell auch gegen mehrere Tatverdächtige, die als selbstständige Fahrer für ein großes Logistikunternehmen arbeiten und „nebenher“ wohl eigene unerlaubte Geschäfte abwickeln. Zur Anzahl der Ermittlungen und zu deren Stand wollte die Augsburger Polizei aufgrund der laufenden Ermittlungen jedoch keine Auskunft geben.

51 Betrugsfälle in drei Jahren

Allerdings konnte die Augsburger Polizei zuletzt einen Erfolg in puncto Paketbetrug verbuchen. Der straffällig gewordene Paketbote setzte dabei auf die mittlerweile übliche Masche, bei Online-Händlern mit Nachnamen und Adressen von Menschen, deren Wohnorte auf den regelmäßigen Routen als Paketfahrer lagen, auf Rechnung einzukaufen. Trafen die Pakete zur Auslieferung bei ihm ein, bestätigte er die Auslieferung an den Kunden mit gefälschter Unterschrift und behielt die Ware, vornehmlich Kleidung, Schuhe, Spielzeug und Windeln, für sich. Der Gesamtwert des Schadens beläuft sich auf über 5.000 Euro, berichtet die Augsburger Allgemeine. Besonders erstaunlich: Es dauerte drei Jahre, bis der Betrug auffiel. Die vermeintlichen Online-Shopper hatten sich bei der Polizei in Augsburg und vor allem Landkreis Aichach-Friedberg gemeldet, weil ihnen die Online-Händler wegen den offenen Rechnungen mit rechtlichen Schritten drohten. Erst da wurde offensichtlich, dass jemand im Namen der Betroffenen Waren bestellt hatte.

Der Paketbote zeigte sich vor dem Amtsgericht geständig und räumte 51 Betrugsfälle ein. Um einer möglichen Gefängnisstrafe zu entgehen, erzählte der Paketbote zudem davon, dass unter den Fahrern regelmäßig Tipps ausgetauscht werden, wie man im Netz kostenlos bestellen könnte. Die Polizei, so berichtet die Augsburger Allgemeine, sieht hier vor allem Handlungsbedarf bei den Online-Händlern. Gerade der Kauf auf Rechnung und eine mangelhafte Überprüfung der Adressen der Kunden macht es Betrügern sehr einfach.

Durch sein umfangreiches Geständnis muss der Paketbote nicht ins Gefängnis. Das Gericht verurteile ihn zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Zudem muss der Verurteilte den verursachten Betrugsschaden in monatlichen Raten von 100 Euro erstatten.

 

/ Geschrieben von Julia Ptock