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Das Thema Paketlabel – universelle Lesbarkeit und Datenübertragung hat derzeit richtig Fahrt aufgenommen. Der Logistikdienstleister GS-1 Germany hat Pläne vorgestellt, welche die Einsatz-Erweiterung des im Handel schon sehr weit verbreiteten Code-Standards auf die Paketbranche in Aussicht stellt. Nach der Empfehlung der EU wurde ein spezieller Standard für die Darstellung der unique vergebenen Sendungsnummer entwickelt – wie der Logistik-Watchblog vor Kurzem vermeldet hat.

Codierung GS-1 Germany Standard
© Drewes / hybrilog.de

Pilotprojekt in Aussicht – Test unter realen Bedingungen

Derzeit arbeitet GS-1 Germany gemeinsam mit dem Branchenverband BdKEP, dem Software-Anbieter fnsystems und einem regionalen Postdienstleister an einem Pilotprojekt. Kern dieses Projektes ist die Initiation eines sinnvoll gestalteten Paketlabels. Dieses muss verschiedene Anforderungen erfüllen:

  • Einbettung der neuen GS-1-SSCC (Serial Shipping Container Code)
  • Schaffung von Übergabe-Prozeduren für überregionale Zustellung an verschiedene Carrier
  • Technische Hinterlegung des Datentransfer-Formates
  • Auslotung potentieller Möglichkeiten (Tracking-Codierung, Produktbezeichner etc.)
  • Beibehaltung der internen Barcodes für Übergangsphase

Dabei soll das GS-1-SSCC-Label die Paketlabel der großen Anbieter DHL, DPD, Hermes & Co. nicht verdrängen, sondern eher ergänzen - so Andreas Schumann, der Chef des BdKEP, im Blog von hybrilog.de:

„Der GS-1 Standard an sich existiert schon seit Jahrzehnten – auch für die SSCC. Des Weiteren haben wir die Kompatibilität mit bestehenden großen Standardsystemen im Postbereich abgeklärt.  […] Für neu entstehende Netzwerke wird in diesem Standard auch Labelaufbau vorgeschlagen. Etablierte Carrier können mit ihren vorhandenen Standards weiterarbeiten, bringen jedoch an unterster Stelle die GS1 Sendungsnummer auf. So werden etablierte Postlabel nicht verdrängt und gleichzeitig entsteht Platz für Neues.“

Ziele: Mehr Geschwindigkeit & weniger Kosten bei Sendungsübergabe

Gerade diese Idee des kompatiblen Paketlabels birgt entscheidende Vorteile für die regionalen und lokalen KEP-Unternehmen. Bei der Übergabe an den bzw. bei der Übernahme vom jeweiligen Carrier sind derzeit enorme Aufwände im Bereich Relabeling ganz normaler Alltag. Die Pakete müssen eingescannt oder, und das ist der eigentliche Normalfall, mühsam manuell in das Steuerungssystem des jeweiligen Paketdienstes überführt werden - aufwändig und nicht gerade fehlerfrei.

Durch die Kompatibilität des GS-1-SSCC mit den anderen verwendeten Postcodes müssten die Depot-Mitarbeiter den Barcode nur noch einscannen und würden dann vom eigenen System die gewohnte, interne Informationsstruktur automatisch zur Verfügung gestellt bekommen.

Hinzu kommen die Potenziale in Bezug auf den internationalen Versand, da der GS-1 Standard weltweit bei Postunternehmen schon im Einsatz oder zumindest für diese auslesbar ist. Ein echtes Plus für die Zukunft der KEP-Dienste!

Durchsetzung des GS-1-Standards durch Kundendruck

Einige werden von einem Kampf der Standards reden. Dabei steht eines fest: Der für die alternativen Postdienstleister existierende UPOC-Standard ist eine hervorragende Entwicklung. Jedoch kann er nicht alle Vorteile des GS-1-Standards bieten, da die Verknüpfbarkeit mit den anderen Code-Systemen eher gering ist. Der UPOC-Standard ist grundverschieden zu den im Handel vorherrschenden Strukturen. Dort hat sich der GS-1 schon in Form der GTIN, der Global Trade Item Number, durchgesetzt. Online-Riesen, wie Amazon, Zalando oder Alibaba arbeiten in der eigenen Struktur ausschließlich mit der GTIN für die eindeutige Bezeichnung der angebotenen Produkte.

Da die GTIN aus den gleichen Elementen wie die Sendungsnummer nach GS-1-SSCC aufgebaut ist, würden diese Nummern miteinander kommunizierbar werde – ein gewaltiger Schritt in Richtung B2B-Vernetzung. Da Geschäftskunden einen großen Anteil an der Kundschaft der privaten Postdienstleister jenseits der Big Player haben, wäre dies somit ein zusätzliches Argument pro GS-1.

Zudem wird der Onlinehandel – wie beinahe alle aktuellen Studien nahelegen – in den kommenden drei Jahren das Sendungsvolumen derart antreiben, dass von Steigerungsraten von etwa 25 Prozent ausgegangen wird. Je besser die privaten Postdienstleister darauf vorbereitet sind, desto effizienter und am Ende erfolgreicher können sie mit diesen Zuwächsen umgehen. Es spricht also einiges für ein GS-1-Paketlabel, jedoch nur dann, wenn auch die technischen Fragen der Datensammlung, -übertragung und -hoheit geklärt sind!

 


 Torsten Drewes Über den Autor

Torsten Drewes ist Content Strategy Manager und Leiter der Münchner Teilagentur der fairnet medienagentur/fnsystems. Marke von fnsystems ist hybriLOG® - die Life-Cycle-Management-Lösung für KEP-Unternehmen. Durch Software werden Pakete, Einschreiben und Briefen digitalisiert aufgenommen bearbeitet und produktzyklisch begleitet.

/ Geschrieben von Gastautor


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