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Wie wird es der Logistik-Branche ergehen, wenn sich der 3D-Druck vollends etabliert und Menschen Produkte selbst zu Hause drucken können? Wir haben mit Philipp Anhalt, Director Strategy & Business Development bei DPD über die Möglichkeiten des 3D-Drucks und die Auswirkungen auf die Logistik gesprochen.

Philipp Anhalt
Philipp Anhalt ist seit April 2013 Director Strategy & Business Development bei DPD und berichtet direkt an CEO Boris Winkelmann. (Foto: DPD)

Logistik Watchblog: Produkte jederzeit selbst im 3D-Drucker erstellen. Das ist eine Zukunftsvision, von der einige Experten sprechen. Betrachtet die Paketbranche diese Vision mit der Angst, dadurch nicht mehr benötigt zu werden?

Philipp Anhalt: Besonders beim 3D-Druck müssen sich Paketdienste mit der Frage auseinandersetzen, welche Rolle sie in der Handelswelt von morgen spielen, in der sich die Produktions- und Distributionswege grundlegend wandeln. Paketdienste sind aber auch in Zukunft im Handel und für den E-Commerce nach wie vor unersetzlich – ohne sie ist der Online-Handel schlichtweg undenkbar. Die technische Entwicklung geht zudem nicht in die Richtung, dass jeder Endverbraucher sich einen eigenen High-End-3D-Drucker in den Keller stellt. Stattdessen werden spezialisierte Dienstleister mit optimal ausgelasteten Drucker-Farmen die gewerbliche Nutzung des 3D-Drucks bestimmen. Die Angst, dass Paketdienste in naher Zukunft durch den 3D-Druck überflüssig werden, ist daher unbegründet. Ganz im Gegenteil: Statt sich von möglichen Schreckensszenarien der digitalen Revolution leiten zu lassen, steckt in diesen Entwicklungen enormes Potenzial für Paketdienstleiter, das nicht verschlafen werden darf.

Ist der 3D-Druck Ihrer Meinung nach eher Herausforderung oder Chance für Paketdienstleister? Wie könnten Paketdienstleister den 3D-Druck für sich nutzen, anstatt die Zukunft nur mit Sorge zu betrachten?

Generell bietet die digitale Revolution mit all ihren Entwicklungen enorme Chancen für alle Unternehmen, die ihren Kunden ein digitales und modernes Einkaufserlebnis anbieten wollen. Das gilt gleichermaßen auch für Paketdienstleister: Gerade durch die wachsende Zahl der Anwender von 3D-Druckern wird beispielsweise auch ein steigender Bedarf an Rohmaterialien für den Druck benötigt – natürlich geliefert durch die Transportdienste, die somit erst recht an Bedeutung gewinnen werden. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang ein hohes Maß an Flexibilität, die von den Paketdienstleistern geleistet werden muss: Schnelle und unkomplizierte Lieferung zum Wunschtermin – damit das individuell gedruckte Produkt auch problemlos und bequem beim Kunden ankommt. Hier gewinnen die Anbieter, die die Kundenanforderungen genau kennen und die passenden Serviceleistungen anbieten.

Auch wenn die Paketbranche den 3D-Druck als Geschäftsfeld erkennt: Welche Herausforderungen müssen die Logistiker dann überwinden?

Vor allem bei den technischen Neuerungen gilt: So dynamisch wie der Markt muss auch das Unternehmen agieren und sich schnell den Entwicklungen anpassen, um Angebote für die Kunden und die Branche zu schaffen. Beim 3D-Druck ist die größte Herausforderung sicherlich die dezentrale Produktion, da Produkte überall angefertigt werden können und ohne Zwischenwege zum Konsumenten gelangen. Aber genau hier können Paketdienste von der Entwicklung profitieren und als Dienstleister für einen reibungslosen Warenversand sorgen. Darüber hinaus sollten sich Logistiker fragen, wie sie ihr Geschäft über den reinen Transport hinaus mit dem 3D-Druck verknüpfen können.

Gibt es schon konkrete Projekte, die DPD in dieser Hinsicht verfolgt?

Im ersten Schritt geht es für uns darum, den Markt zu verstehen und die Auswirkungen des 3D-Drucks auf unser Geschäft seriös auszuloten. Gemeinsam mit dem 3D-Startup 3YOURMIND haben wir uns zum Beispiel angeschaut, wie wir unsere Infrastruktur nutzen können, um einen komfortablen 3D-Druck anzubieten. Möglich ist etwa die Bereitstellung eines Transportnetzwerks zur Vermietung oder mobilen Nutzung industrieller 3D-Drucker. Auch die Stationierung von 3D-Druckern in den Niederlassungen von DPD würde einen enormen Geschwindigkeitsvorteil bringen, sogar Zustellfahrzeuge mit integriertem 3D-Drucker sind denkbar.

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers


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