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Anders als viele Unternehmen in der Logistikbranche, setzt die DPD viel auf das Thema Digitalisierung. Im Interview haben wir mit Michael Knaupe, Director Produkte und Services bei der DPD über Digitalisierung in der Logistik und aktuelle Entwicklungen im Hause DPD gesprochen.

 

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© DPD

Logistik Watchblog: Laut einer Studie im Auftrag des IT Dienstleisters D.Velop AG ist die Logistikbranche beim Thema Digitalisierung Schlusslicht. Wie wichtig ist die Digitalisierung für DPD?

Michael Knaupe, Director Produkte und Services: Die Digitalisierung ist für DPD die treibende Kraft hinter der Weiterentwicklung von Services und Customer Experience. Wir reagieren nicht nur auf die Herausforderungen der Digitalisierung, sondern nutzen sie aktiv, um neue B2C-Angebote zu schaffen. Damit haben wir uns in den vergangenen drei Jahren zum Innovationsführer im B2C-Paketmarkt entwickelt und konnten zum Beispiel mit der Einführung der Vorhersage des Zustellzeitfensters über Predict, dem mobilen Paketschein und der neuen DPD App neue Maßstäbe im Paketversand setzen. Unser Ziel wird es auch in Zukunft sein, unsere Angebote durch die Digitalisierung noch transparenter und flexibler zu machen.

Logistik Watchblog: DPD setzt auf eine innovative App für Paketempfänger, mit welcher DPD-Kunden Pakete live verfolgen können und so sehen, wo genau die Sendung sich befindet. Wie gut wird die App von den Kunden angenommen? Gibt es tatsächlich Kunden, die ihre Paketsendung auf der Apple Watch mitverfolgen?

Michael Knaupe, Director Produkte und Services: Die App wurde seit dem Start im September 2015 mehr als 260.000 mal heruntergeladen und verzeichnet mehr als 100.000 Registrierungen. Das Kundenfeedback ist sehr positiv: Durchschnittlich bekommt der Paketversand auf unserer Bewertungsskala vier von fünf Sternen.

Mit der App und der Ankopplung an die Apple Watch haben wir auf die Anforderungen unserer Kunden reagiert, die von einem modernen Dienstleister Transparenz und klare, schnelle Auskünfte erwarten – und zwar auf den Devices, die ihren Nutzungsgewohnheiten entsprechen. Die Paketverfolgung auf der Apple Watch mag heute noch etwas für Technik-Begeisterte sein – aber wir zeigen gerne jetzt schon auf, wie wir Smartwatches nutzen können. Unsere User-Experience-Tests zeigen: Mit einer Push-Nachricht auf die Smartwatch können sich Nutzer ideal auf Stand halten – wenn es um das Managen und Umleiten von Sendungen geht, ist das Smartphone besser geeignet.

Logistik Watchblog: Welche Funktionen sind für die Zukunft für die App geplant, welche wären denkbar?

Michael Knaupe, Director Produkte und Services: Die DPD App wird auch in Zukunft stets erweitert und mit neuen Features ergänzt: Erst im November 2015 haben wir zwei neue Funktionen in der App ergänzt: Kunden können seitdem den DPD Zusteller per Paypal ein digitales Trinkgeld zahlen und zudem den DPD Service insgesamt bewerten. Im Mittelpunkt werden auch zukünftig Optimierungen stehen, die die Bedienung der App und die Angebote noch intuitiver gestalten und vereinfachen. Dabei greifen wir auch allgemeine Trends und Gestaltungen aus der Online-Welt auf, die dem Nutzer einen zusätzlichen Spaß-Faktor und noch mehr Vorfreude auf das Paket bieten. Es lohnt sich für Nutzer also, die App stets auf dem aktuellen Stand zu halten.

Logistik Watchblog: Inwiefern ist aus Ihrer Sicht die Digitalisierung innerhalb Ihres Angebots für private Kunden und für Businesskunden relevant?

Michael Knaupe, Director Produkte und Services: Für beide Seiten, sowohl für Geschäft- und Privatkunden von DPD, sind die digitalen Angebote gleichermaßen relevant. Geschäftskunden können ihren Kunden eine größere Auswahl an Versandoptionen und -angeboten bieten und dadurch ihre Kundenbeziehungen stärken. Zusätzlich können sich gewerbliche Versender digital immer bequemer an unsere IT-Systeme ankoppeln – etwa über unser eSolutions-Portal oder die DPD Cloud. Der Versender hat damit alle Prozesse rund um den Versand und die Warenwirtschaft auf einer Plattform im Blick.
Private Empfänger profitieren vor allem davon, Paketsendungen so einfach wie möglich in den Alltag zu integrieren: Verschiedene Umleitungsoptionen für den Fall, dass der Zustelltag für den Empfänger nicht passt, das Live-Tracking des Pakets auf einer interaktiven Karte, mobile Lösungen für die Anwendung auf dem Smartphone, Tablet oder der Smartwatch sowie die vollständigen digitalen Abwicklung bei Bestellung oder Versand. Für die Erstellung eines Paketscheins ist bei DPD zum Beispiel kein Drucker mehr notwendig: Der Kunde zeigt im Paketshop auf seinem Smartphone einfach einen QR-Code vor, den er auf unserer Online-Plattform erstellt und online bezahlt hat.

Logistik Watchblog: Wie gut wird die DPD Entwicklerplattform „eSolutions“ nachgefragt? Welche Projekte wurden dort bereits von externen Entwicklern vorgeschlagen, bzw. welche umgesetzt?

Michael Knaupe, Director Produkte und Services: Das Portal steht seit Oktober 2014 allen Anwendungsentwicklern und Partnern von DPD offen, die Webservices und Schnittstellen von DPD Systemen nutzen und dafür auf Dokumentationen und Testsysteme von DPD zugreifen möchten. Ergebnisse aus dieser Community werden kontinuierlich umgesetzt, zum Beispiel indem die per DPD Cloud offen zur Verfügung gestellten Schnittstellen in Versandsysteme von Kunden oder Versandmanagement-Systeme von Drittanbietern eingebaut werden.

Logistik Watchblog: Amazon drängt ja auch in Deutschland nach und nach in den Paketmarkt und könnte bald zum Konkurrenten werden. Haben Sie bei der Gestaltung Ihrer Digitalisierungsstrategie auch Amazon und dessen Entwicklungen im Blick?

Michael Knaupe, Director Produkte und Services: Digitalisierung ist natürlich nicht nur für DPD ein wichtiges Thema, sondern elementar für die gesamte E-Commerce-Branche. Allgemein orientieren wir uns vor allem an Trends, Entwicklungen und Anforderungen, die gerade nicht aus der Logistik- und Paketbranche kommen. Die Aktivitäten anderer Marktteilnehmer sehen wir als Herausforderung und Inspiration. So ist das auch bei Amazon.

Im Fokus bleibt stets, sich mit den Angeboten und Services so gut wie kein anderer an die Bedürfnisse der Endkunden anzupassen. Wem das gelingt, der muss sich aus unserer Sicht nicht vor neuer Konkurrenz fürchten.

Logistik Watchblog: Welche Entwicklungen und Trends werden die E-Commerce- und Paketbranche aus Sicht von DPD in den kommenden Jahren weiter vorantreiben?

Michael Knaupe, Director Produkte und Services: Ganz wichtig ist das Stichwort Seamless Commerce: Die Grenzen zwischen dem stationärem Handel, E- und M-Commerce verschwimmen zunehmend, über alle Kanäle hinweg muss eine nahtlose Customer Experience ermöglicht werden. Innovative Lösungen entstehen, wenn Unternehmen die aktuellen Trends und Entwicklungen zu den Themen Individualisierung und Mobile in das Alltagsgeschäft integrieren und dadurch neue Angebote schaffen. Das „Internet of Things“ ist ein weiterer Trend, den Paketdienste und Onlinehändler im Blick haben sollten. Das beginnt bei Wearables wie der Apple Watch und hört beim intelligenten Kühlschrank mit automatischer Bestellfunktion noch lange nicht auf.

Über Michael Knaupe

Michael Knaupe von der DPD im Interview.

Michael Knaupe ist seit 2012 bei der DPD und derzeit als Director Produkte & Services national, bei der DPD GeoPost (Deutschland) GmbH tätig.

/ Geschrieben von Giuseppe Paletta


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