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Locumi Labs möchte es Paketzustellern erleichtern Lieferungen auch dann zuzustellen, wenn der Empfänger nicht zuhause ist. Nach der Entwicklung von smarten Pakettaschen, hat sich Locumi Labs nun auf smarte Türschlösser spezialisiert.

Locumi Labs im Interview.

© Locumi Labs

Logistik Watchblog: Locumi Labs hat eigentlich Pakettaschen vertrieben, nun wenden Sie sich smarten Türschlössern zu. Welche Rolle werden diese in der Logistik von morgen spielen?

Christoph Baumeister: Schon beim Beginn unseres Geschäfts mit der LOCUMI Pakettasche war uns klar, dass der Hauszugang eine sehr große Rolle spielen wird. Was bringt es mir unabhängig von meinen Nachbarn Pakete an meiner Wohnungstür empfangen zu können, wenn ich die Nachbarn dann doch wieder brauche damit sie den Paketboten ins Haus lassen? Aus genau diesem Grund haben wir schon sehr früh damit begonnen, eine Lösung für den schlüssellosen Hauszugang zu entwickeln und uns nun vollends darauf konzentriert.

Wir gehen davon aus, dass der schlüssellose Zugang in Mehrfamilienhäuser und auf Grundstücke mit Gartentor in der Logistik von morgen eine große Rolle spielen wird. Privatkunden empfangen ihre Pakete am liebsten zu Hause – das haben viele Studien gezeigt. Allerdings sind sie immer seltener zu Hause. Aus diesem Grund braucht es gute Lösungen für die Zustellung in Abwesenheit. Aber alle diese Lösungen erfordern in den meisten Fällen garantierten Zugang damit sie funktionieren. Denken Sie zum Beispiel an Pakettaschen an Wohnungstüren, Paketkästen vor Einfamilienhäusern oder Paketstationen für größere Wohneinheiten. monkey kann diesen Zugang garantiert ermöglichen.

Was ist das Besondere an den Türschlössern von Locumi Labs im Vergleich zu Konkurrenzprodukten? Wie funktioniert das System?

Zunächst muss man unser neues Produkt monkey von herkömmlichen Smart Locks abgrenzen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Smart Lock Anbieter, die jedoch alle nur für Wohnungstüren gemacht sind. Mit monkey fokussieren wir uns ganz klar auf die „erste Tür“. Also die Hauseingangstür von einem Mehrfamilienhaus oder das Gartentor bei einem Einfamilienhaus. Also, all jene Türen, die heute schon elektronisch über ein Gegensprechtelefon gesteuert werden können.

Es gibt auch noch andere Anbieter, die schlüssellose Lösungen für die Hauseingangstür anbieten. Allerdings mit einem wichtigen Unterschied. Sie erfordern eine Veränderung an der Klingelanlage, so dass der Umbau nur durch die Hausverwaltung vorgenommen werden kann. Die hat daran aber eigentlich nur wenig Interesse und ist langwierig zu überzeugen.

monkey ist ein kleiner WLAN-fähiger Chip, der in jedem vorhandenen Gegensprechtelefon in der eigenen Wohnung einfach installiert werden kann. monkey öffnet zuvor autorisierten Personen dann automatisch per App die Hauseingangstür. Alternativ können auch beliebige Zeitfenster für eine automatische Türöffnung bei Klingeln programmiert werden, so dass selbst Lieferdienste ohne App garantierten Zutritt erhalten.

Benötigen Ihre Kunden die Erlaubnis von ihrem Eigentümer, wenn sie die smarten Türschlösser zum Beispiel in der eigenen Wohnung installieren möchten?

Nein, monkey ist auch für Mieter bestens geeignet. Der Einbau von monkey ist komplett reversibel, so dass keine bleibende Veränderung an der Gegensprechanlage vorgenommen wird. Das wird auch durch zwei rechtliche Gutachten bestätigt, welche die Rechtmäßigkeit von Installation und Betrieb untersucht haben.

Wie kann Ihr smartes System das Online-Shopping voranbringen?

monkey verbessert die Customer Experience auf der letzten Meile deutlich. Der letzte Punkt an dem Online-Shopping noch keinen Spaß macht ist die Zustellung bzw. Abholung. monkey ermöglicht hier vollkommen neue Optionen – sei es die einfache Zustellung vor die Wohnungstür oder die Deponierung in einen Paketkasten oder eine Pakettasche.

Ein Feature von monkey wird die letzte Meile definitiv revolutionieren: Die Zustellung über Nacht. Mit monkey können Paketboten sicher und ohne zu Klingeln Zutritt zu einem Mehrfamilienhaus erhalten, so dass sie ihren Service auch nachts erbringen können. Der Kunde hat somit seine Bestellung schon am nächsten morgen vor der Tür und die Paketdienste stehen endlich nicht mehr im Stau und optimieren die Auslastung ihrer Flotte.

Wieso hat Locumi Labs die Finanzierung über das Crowdfunding-Portal Kickstarter gewählt?

Eine Vorbestellungskampagne auf Kickstarter ist ideal, um bereits vor dem eigentlichen Launch Feedback aus der ganzen Welt zu erhalten. In meinen Augen geht nichts über eine tatsächliche Vorbestellung, um den Bedarf für ein Produkt zu testen – und genau das ermöglicht Kickstarter. Es sind aber auch Ideen für Weiterentwicklungen oder Kooperationen, die sich aus der Interkation mit den sehr engagierten Unterstützern ergeben, die sehr nützlich sein können.

 

Über Christoph Baumeister:

Christoph Baumeister im Interview.

Unser Interviewpartner Dr. Christoph Baumeister (29) hat LOCUMI LABS zusammen mit Daniel Jahn im Mai 2014 gegründet. Die Pakettaschen-Sparte wurde mittlerweile an Burg Wächter verkauft. Vor der Gründung arbeitete er bei Siemens, Telefónica und BMW. Er studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU München und der HEC Paris und Technologiemanagement am Center for Digital Technology & Management (CDTM). Seine Promotion über das Konsumentenverhalten in der Sharing Economy schloss er 2014 erfolgreich an der TU München ab.

/ Geschrieben von Giuseppe Paletta


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