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Flexibel einsetzbare Arbeitskräfte sind aufgrund des hohen Personalbedarfs in der Logistikbranche oft eine willkommene Hilfe. 

Junge Mitarbeiter in Logistik-Lager
Halfpoint / Shutterstock.com

Bei Logistikern herrscht das ganze Jahr über zusätzlicher Personalbedarf. Zu Peak-Zeiten, etwa wie jüngst im Weihnachtsgeschäft, ist der Bedarf deutlich höher. Für die Geschenke-Saison im vergangenen Jahr stellten KEP-Dienstleister gleich mehrere Tausend saisonale Arbeitskräfte ein. Um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, setzen Logistiker auch auf studentische Aushilfen. Über dieses Thema sprachen wir mit den studentischen Personaldienstleistern Studitemps und Zenjob.

Doppelt so hoher Personalbedarf an studentischen Aushilfen zu Spitzenzeiten

Allein 2019 hat Zenjob in Berlin über zehntausende Logistikjobs vermittelt. „Durch unsere schneller werdende Wirtschaft und den steigenden Wettbewerbsdruck kommt es immer wieder zu ausgeprägten Auftragsspitzen und Unternehmen müssen schnell reagieren. Gerade die Logistik-Branche benötigt daher viel Flexibilität in ihrer Mitarbeiterplanung”, so Fritz Trott, Gründer und CEO von Zenjob. Vor und nach den Weihnachtsfeiertagen ist natürlich Hochsaison. Die Einsätze von studentischen Aushilfen im Online-Handel steigen zu dieser Zeit noch einmal um 20 bis 30 Prozent, erläutert er. „Etwa ein Viertel aller Jobangebote während der Weihnachtszeit kamen im vergangenen Jahr von Unternehmen im Logistikbereich.” 

Den hohen Bedarf, vor allem zu Spitzenzeiten im E-Commerce, kennt auch Benjamin Roos, Co-Founder und Managing Director von Studitemps. Seine Firma vermittelt monatlich etwa 8.000 Studenten an ganz unterschiedliche Unternehmen. „Etwa 15 Prozent der Studierenden arbeiten im Einzelhandel weitere 15 Prozent in der Logistik. Während des Weihnachtsgeschäfts, teilweise ab November, können diese Zahlen auf das doppelte ansteigen.” 

Logistikunternehmen werden nicht so leicht am Arbeitsmarkt wahrgenommen

Solche Auftragsspitzen, die neben dem Saisongeschäft auch zu Wochenbeginn auftreten, wenn mehr Bestellungen und Aufträge abgewickelt werden müssen, könne das Stammpersonal oftmals nicht allein decken. Auch unterschiedliche Arbeitszeiten und teils vorherrschende Schichtarbeit würden das Recruiting von neuem Personal nicht vereinfachen. „Außerdem ist es nicht leicht, als Logistikunternehmen auf dem Arbeitsmarkt wahrgenommen zu werden”, weiß Benjamin Roos. Einer von Studitemps durchgeführten Umfrage zufolge wollen lediglich 1,8 Prozent der Hochschulabsolventen im Sektor Logistik und Verkehr tätig werden – und wenn, dann vor allem für große, bekannte Unternehmen wie die Deutsche Bahn, DB Schenker, Logistikdienstleister Kühne + Nagel sowie die Deutsche Post, wie auf OnlinehändlerNews zu lesen ist.

Studierende punkten durch hohe Flexibilität

Studentische Aushilfen bieten Unternehmen entscheidende Vorteile: „Studierende sind sehr flexibel einsetzbar. Zudem wird für Logistik-Jobs nur wenig Vorerfahrung benötigt und studentische Aushilfen können direkt vor Ort eingearbeitet werden. Sie haben eine sehr gute Auffassungsgabe, sind zuverlässig und motiviert. Daher eignen sie sich perfekt für die Branche”, weiß Fritz Trott. Sie entscheiden sich zudem bewusst dafür, eine gewählte Schicht zu übernehmen, haben eine hohe Auffassungsgabe und Motivation.

Die Dauer für die Beschäftigung von Studenten fällt sehr unterschiedlich aus: „Die einen Unternehmen buchen sich fest eingeplant jede Woche 2–3 Studenten dazu, um das Stammpersonal zu unterstützen. Andere setzen auf die Spontanität, die mit Studenten gut abgedeckt werden kann, also: Wenn es gerade brennt, bucht man sich Studenten dazu, die teils noch am selben Tag einspringen können”, so Benjamin Roos hierzu. Auch krankheitsbedingte Ausfälle könnten Studenten kompensieren. „Wenn ein Vollzeitmitarbeiter ausfällt, muss ein anderer Vollzeitmitarbeiter einspringen, der an dem Tag eigentlich frei hätte. Der Kollege hat dadurch weniger Urlaub, ein höheres Risiko selbst krank zu werden, und baut Überstunden auf.” Wer auf einen Pool an Studenten zurückgreifen könne, schone sein Stammpersonal, reduziert Ausfallzeiten und das Überstundenkonto. Anders als bei herkömmlicher Zeitarbeit müssen Unternehmen nicht auf die Lohngleichheit zwischen Festangestellten und Zeitarbeitern (Equal Pay) achten und hier nicht auf die neunmonatige Frist für gleiche Entlohnung bzw. eine Festanstellung nach 18 Monaten einhalten. 

Chancen für den Gewinn von Fachkräften

Angefragt werden die Studierenden insbesondere für das Einräumen von Regalen, das Befüllen und Etikettieren von Paketen sowie die Vorbereitung des Versands. Gleichzeitig ist auch Unterstützung bei Bürotätigkeiten, bei der Bearbeitung von Kundenanfragen oder beim Bestellungsmanagement möglich. 

Laut Benjamin Roos kann die Branche mit studentischen Aushilfen aber auch dem Fachkräftemangel begegnen: „Clever ist, wer aus dem Pool an Studenten auch direkt sein Nachwuchs-Recruiting zieht. Von allen in der Logistik tätigen Studierenden können sich 40 Prozent vorstellen, auch nach dem Studium weiterhin für den Arbeitgeber tätig zu sein – das zeigt eine unserer 'Fachkraft 2030'-Studien, die wir halbjährlich mit durchschnittlich 20.000 Studierenden durchführen.” Hier gäbe es großes Potential: „Von allen in der Logistik tätigen Studierenden wurde allerdings mit lediglich 13 Prozent ein Perspektivgespräch geführt. Wir ermutigen die Unternehmen hier, Initiative zu zeigen, wenn ein Student sich bewährt hat und man neues Personal auch für die höheren Positionen braucht.”

/ Geschrieben von Hanna Behn