Logo logistik Watchblog

Das StartUp Deliveryport will eine umfassende logistische Lösung bieten, die müll- und ressourcenschonender als andere Varianten sein soll. 

Modell für Transiteinheit von Deliveryport
Deliveryport (Youtube-Screenshot)

„Unser Konsumverhalten schadet der Umwelt. Diese Erkenntnis hat sich bei vielen Menschen durchgesetzt. Es fehlen allerdings verlässliche, bequeme Alternativen.“ Das erklärte Henning Ludwig, Gründer des StartUps Deliveryport im Rahmen einer Mitteilung zur Vorstellung seines noch jungen Unternehmens. Denn genau eine solche Alternative wolle der Gründer in Zukunft gerne anbieten.

Mit Deliveryport soll sich eine neue Plattform für Güter- und Postsendungen etablieren: „Zu jeder Uhrzeit bequem Lebensmittel oder Pakete empfangen – ob man zuhause ist oder nicht“, so die Idee. Deliveryport stellt Liefer- und Abholboxen, sogenannte Transfereinheiten, in verschiedenen Modellvarianten zur Verfügung. Diese sollen wie ein großer Briefkasten funktionieren, aber u. a. mit einem Kühlfach, Kameras und einem digitalen Türöffner ausgestattet sein. 

Wie genau das funktionieren soll, zeigt auch das folgende Video: 

Wir sprachen mit Henning Ludwig ausführlich über das Konzept von Deliveryport.     

„Mit dem richtigen System verhalten sich Menschen ökologisch“

Logistik Watchblog: Herr Ludwig, wie würden Sie Deliveryport beschreiben? Und wie kamen Sie auf die Idee?

Henning Ludwig: Deliveryport ist eine Hardware- und Softwareplattform zum Empfangen und Versenden von Güter- und Postsendungen. Deliveryport kann zum wichtigsten Infrastruktur-Element einer modernen Online-Konsumgesellschaft werden. Ich bin verzweifelt über mein eigenes nicht-ökologisches Konsumverhalten und habe überlegt, welche Infrastruktur vorhanden sein müsste, damit bequeme und alltagstaugliche Mehrweg-Liefer-und-Abhol-Systeme etabliert werden könnten.

,Komfortabler Konsum und Umweltschutz passen zusammen‘, sagen Sie in Ihrer Pressemitteilung zum Projekt. Mit welchen Neuerungen will Deliveryport konkret dazu beitragen?

Die meisten Menschen haben kein ausgeprägtes Umweltbewusstsein. Wenn diesen Menschen jedoch als normaler Standard ein bequemes Mehrweg-Liefer-und-Abhol-System angeboten wird (das wird durch Deliveryport möglich), dann verhalten sich auch Menschen ohne ausgeprägtes Umweltbewusstsein ökologisch – ohne das bewusst zu wollen.

DHL hatte Paketkästen an Privathaushalten getestet, stellte im Februar fest, dass der Bedarf jedoch nicht gegeben sei (und, wie jüngst bekannt wurde, schränkte das Projekt aktuell noch massiver ein). Inwiefern könnte sich Deliveryport etablieren? Was ist bei Deliveryport ggf. anders, als bei den DHL-Kästen? 

Das Besondere an Deliveryport, auch im Vergleich zu den DHL-Paketkästen, ist zum einen die breite Anwendbarkeit und die sich daraus ergebende hohe Anzahl an Problemlösungen. Zudem sind wir der Ansicht, dass Infrastruktur-Elemente für den Online-Handel, z. B. die besagten DHL-Paketkästen, auf keine breite Akzeptanz bei anderen Unternehmen aus dem Bereich Konsumgüterlogistik stoßen, wenn sie von einem oder mehreren bestimmten Unternehmen aus dem Bereich Konsumgüterlogistik entwickelt und betrieben werden. Hingegen glauben wir an eine breite Akzeptanz einer offenen Plattform ohne rechtliche und/oder finanzielle Verstrickungen mit Unternehmen aus dem Bereich Konsumgüterlogistik.

Haben Sie schon einen Prototypen für die Box entwickelt?

Nein, weil allein dies schon sehr kapitalintensiv ist. Wir benötigen hierfür einen Investor.

Neben der Hardware wollen Sie zusätzlich auch eine Software anbieten. Inwiefern soll diese unterstützend wirken?

Zum Betreiben und Koordinieren der Hardware-Komponenten muss eine Betriebssystem-Software entwickelt werden. Die Betriebssystem-Software muss über Schnittstellen zu den Anwendungsprogrammen kooperierender Unternehmen verfügen, damit Deliveryport in deren Liefer- und Abholvorgänge einbezogen werden kann. Wenn diese Schnittstellen konzipiert und eingerichtet sind, können auch neue kooperierende Unternehmen leicht angebunden werden.

Was soll die Bereitstellung des Deliveryport kosten? Und wer würde die Kosten tragen?

Die Modelle ,Classic‘ und ,Free‘ werden zum Selbstkostenpreis von ca. 1.500–2.000 Euro verkauft. Zudem zahlen Kunden eine zum Selbstkostenpreis kalkulierte Servicegebühr für Wartung, Instandhaltung und Versicherung, z. B. 20 Euro im Monat. Gewinne werden durch Transaktionsgebühren erzielt, die Unternehmen zahlen, welche Deliveryport in Liefervorgänge einbinden.

Online-Händler könnten durch ein besseres Kundenerlebnis profitieren

Könnte Deliveryport aus Ihrer Sicht auch Online-Händlern zugutekommen?

Unserer Wahrnehmung nach sehen sich viele Online-Händler einem brutalen Preis- und Aufmerksamkeitskampf ausgesetzt und sind darauf angewiesen, für eine gute Sichtbarkeit hohe Werbeausgaben an Google, Facebook, Amazon und Co. zu zahlen. Das führt auf längere Sicht dazu, dass es bei diesem Spiel ganz viele Verlierer (u. a. die Kunden und die Biosphäre) und nur ganz wenige Gewinner geben wird (u. a. Google, Facebook, Amazon und Co.). Das zugrundeliegende elementare Problem hat George A. Akerlof bereits im Jahr 1970 in seinem berühmten Aufsatz ,The Market for Lemons: Quality Uncertainty and the Market Mechanism‘ beschrieben. 

Vor diesem Hintergrund möchten wir es kleineren und mittelgroßen Online-Händlern ermöglichen, ihren Kunden mit Deliveryport bei Empfang und Retoure von Produkten ein besseres Kundenerlebnis bieten zu können, um sich durch diese preis- und produktunabhängigen Vorzüge in Sachen Komfort und Ökologie gegenüber Mitbewerbern besser behaupten zu können. Mittelfristig möchten wir mit Gründung der Handelsplattform „Everest.BLUE“ einen Marktplatz für Produkte und Services von Partnern etablieren, die sich in puncto Nachhaltigkeit, Ethik und Datenschutz hohen Standards verbindlich verpflichten. Wir glauben, dass viele Kunden bereit sind, für gute nachhaltige Produkte einen erhöhten Preis zu zahlen, wenn wir das Vertrauen dieser Kunden gewinnen können und ihr Vertrauen nicht enttäuschen. Dies wird unsere Antwort auf das ,The-Market-for-Lemons-Problem‘ sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Early-Adopters und B2B-Kooperationen sollen Bekanntheit des Produkts steigern

Derzeit geht Henning Ludwig auf Investoren zu, unter anderem mittels einer frisch überarbeiteten Internetseite, zahlreichen erklärenden Videos und informativen Broschüren. In Letzterer hat er auch Ideen für eine Roll-Out-Strategie festgehalten: Unter anderem könnte man im Zuge der Planung von Neubauprojekten für Einfamilienhäuser in Großstadtnähe Privatpersonen mit dem Anliegen vertraut machen. Auch Kooperationen mit Immobilien-Projektentwicklern seien denkbar, denn hier könnte der Einbau von zukunftsweisender Haustechnik der neuesten Generation als entscheidender Marktvorteil angeboten werden, heißt es.

Über den Gründer:

Henning Ludwig (35) lebt in Warburg (Nordrhein-Westfalen) und kommt eigentlich aus der Versicherungs- und Finanzbranche: Er ist gelernter Versicherungskaufmann und gründete 2011 bereits eine eigene Firma, die „Innovative Beratungssysteme Ludwig“ (IBL GmbH), in der er als Finanzanlagenberater auf Honorarbasis Kunden in Versicherungs- und Finanzfragen berät. Doch: „Er sei es leid gewesen, den Kunden über die Produkte eines Versicherers nur einen Teil der Wahrheit zu erzählen“, schrieb die Regionalzeitung „Neue Westfälische“ (PDF) über seine Beweggründe, etwas Neues anzugehen. Und dies sei, wie er in seinem Gründermanifest erklärte, nach Lösungen für aktuelle Probleme, nämlich den Klimawandel und die Vermüllung bzw. Vergiftung der Erde, zu suchen. Dies geht er mit seinem StartUp an.

/ Geschrieben von Hanna Behn


Anchor Top