timocom
Logo logistik Watchblog

Mit LKWnow hat Alexander Grelck einen neuen digitalen Marktplatz ins Leben gerufen, der in Echtzeit Lkw-Fahrer mit verfügbarem Laderaum an Verlader vermittelt. Gemeinsam sollen die Nottransporte schnell und einfach organisiert werden. Noch in diesem Quartal soll die neue Plattform gelauncht werden. Wir haben mit dem Gründer Alexander Grelck über die Funktionsweise von LKWnow gesprochen. 

Lkw auf Straße
lassedesignen/shutterstock.com

Wie ist die Idee zu LKWnow entstanden?

Alexander Grelck: Schon in meiner Schulzeit habe ich im Logistikbereich gearbeitet, speziell im Expressbereich. Ich bin damals als selbständiger Onboard-Kurier um die Welt geflogen und habe wichtige und eilige Sendungen zugestellt. Mit 24 habe ich dann meine Spedition FIT gegründet. Bei FIT gab es von Anfang an ein den Transportnotruf. Hier kümmern wir uns speziell um die akute Problemfälle unserer Kunden. So war zum Beispiel einmal eine Herausforderung, eine komplette LKW-Ladung Joghurt für eine Supermarkteröffnung quasi über Nacht von München nach Teneriffa zu verfrachten. Und das am Wochenende! Innerhalb weniger Stunden mussten Kurier-LKW und Charterflugzeug organisiert werden.

Das Thema Sonderfahrten begegnete uns bei FIT in den folgenden Jahren immer wieder. Im Jahr 2017 war es dann ganz massiv. Der Markt spielte verrückt, er war eigentlich kurz davor zu kollabieren. Die Kunden bezahlten unverhältnismäßige Preise, damit sie irgendwie ihre Ladungen ans Ziel bekamen. Preise von mehr als 400% vom Normalpreis standen an der Tagesordnung. Wobei der eigentliche Frachtführer am Ende der Kette dabei womöglich noch unterbezahlt wurde.

Ich wollte ein transparenteres und partnerschaftlicheres Miteinander zwischen Verlader und Frachtführer im Bereich der Sonderfahrten ermöglichen. So kam mir die Idee zu LKWnow. Damit machen wir die verfügbaren LKW Kapazitäten für Verlader auf einer Karte sichtbar und schaffen so eine direkte Verbindung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.

Was genau verstehen Sie unter Nottransporte?

Nottransporte oder auch Sonderfahrten sind Fälle bei denen Verlader in Not geraten sind, weil sie ungeplante Ladungsüberhänge haben. Gründe hierfür können sein: Laderaumknappheit durch Fahrermangel, schwankendes Ladungsaufkommen, Unwetter, Unfälle oder technische Probleme.

Wie sieht es mit der Haftungsfrage aus? Und wie wird sichergestellt, dass keiner Parteien an "schwarze Schafe" gelangen?

Wir überprüfen jeden Nutzer unserer Plattform anhand seiner eingereichten Dokumente wie Handelsregisterauszug, Transporthaftpflichtversicherung und Lizenzen. So können Frachtführer nur LKW auf der Plattform veröffentlichen, wenn Sie verifiziert sind. Und Verlader können sich die Kontaktdaten von potenziellen Frachtführern nur anzeigen lassen, wenn wir Sie wiederum überprüft und dafür freigeschaltet haben. Die Haftung liegt allerdings letztlich bei den Nutzern. Ihre unternehmerische Pflicht auf Überprüfung ihrer Geschäftspartner besteht weiterhin.

Ab welcher Firmengröße lohnt sich der Dienst?

LKWnow lohnt sich für jede Firmengröße, von klein und wendig bis groß und international. So hat z.B. die kleinste Unternehmenseinheit, der selbstfahrende Fuhrunternehmer, mit LKWnow ein einfaches Tool, um seinen LKW für den Markt transparent zu machen und attraktive Sonderfahrten zu generieren. Zumal LKWnow im Basisaccount gratis ist. Frachtführer können 5 LKW mit 2 Usern und unbegrenzten Fahrern völlig kostenlos verwalten und anbieten.

Welche Kosten kommen auf die Mitglieder zu? Wie finanziert sich der Marktplatz?

Wir haben zur Zurzeit zwei verschiedene Zugänge zur Plattform. Der Basisaccount mit limitierten Nutzern und Nutzungsmöglichkeiten ist bei LKWnow gratis.  Der uneingeschränkte Premiumaccount basiert auf einem günstigen, flexiblen Flatratemodell mit unterschiedlichen Laufzeiten. Diese kosten monatlich € 199,- bei einem Monat Laufzeit, € 149,- bei sechsmonatiger Laufzeit und € 119,- bei einjähriger Laufzeit.

Wie erfolgt die Bezahlung zwischen Auftraggeber und Fahrer bzw. dessen Unternehmen? Wer legt die Auftragspreise dahingehend fest?

Der Transportauftrag wird direkt zwischen Verlader und Frachtführer abgeschlossen. Die Auftragspreise werden dementsprechend auch direkt zwischen diesen beiden Parteien verhandelt. LKWnow hat hier keinen Einfluss. Wir appellieren lediglich an ein angemessenes Preisniveau abseits von Preisdumping und Wucherpreisen.

Was macht Ihren Marktplatz besonders?

Dank der Spezialisierung auf Sonderfahrten vermittelt LKWnow taggleich zuverlässig, transparent und in Echtzeit garantiert freie Laderaumkapazitäten zwischen Frachtführern und Verladern. Über die GPS-Funktion des Smartphones des Fahrers machen wir die freien Kapazitäten auf einer Karte sichtbar und bieten gleichzeitig ein einfaches, kostenloses Ladungs- bzw. Laderaumtracking. Das ist einzigartig. Damit funktioniert die Plattform wie ein digitaler „Last-Minute-Marktplatz“, der schnell und einfach die Abwicklung von Sonderfahrten ermöglicht, und das ganz ohne Provisionen. Bei LKWnow profitieren beide Seiten: Die Frachtführer durch eine optimale Ausnutzung ihrer Ressourcen und die Verlader durch eine garantiert zeitnahe Verfügbarkeit.

Wird der Dienst nur in Deutschland an den Start gehen? Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus?

LKWnow startet auf dem deutschen Markt, wird aber nach und nach in weiteren Sprachen verfügbar sein, so dass eine Vermittlung über die Ländergrenzen Europas hinaus für die Nutzer ganz einfach wird. Langfristig wollen wir die Lieferqualität erhöhen. Es sollen weniger, am Besten gar keine Ladungen beim Verlader mehr stehen bleiben oder das Laderampen Zeitfenster verpassen. Es ist mein Ziel, meine Vision, dass die Dispositionsgeschwindigkeit, sprich taggleiche Disposition, zum Standard wird, denn spätestens dann sind Sonderfahrten so einfach wie Standardfahrten. Dafür entwickeln wir Algorithmen, die entsprechend der Anforderungen unserer User, relevante Daten verarbeiten und Dispositionsabläufe automatisieren können. Das wird den Disponenten helfen, die optimalen Kapazitäten für ihren Bedarf noch schneller zu finden.

Zeitgleich wollen wir erreichen, dass Verlader weniger für Sonderfahrten bezahlen, gleichzeitig der Frachtführer aber mehr Geld verdient. Das klingt erst mal widersprüchlich, ist es aber nicht. Transparenz macht sowas möglich, indem es die Dienstleister-Ketten verkürzt. Ein besonderes Anliegen ist mir die Art und Weise der Zusammenarbeit zwischen Verladern und Frachtführern. Durch mehr Transparenz im Markt verspreche ich mir in Zukunft ein partnerschaftlicheres Miteinander auf einer größeren Vertrauensbasis.


Alexander Grelck hat bereits mit jungen Jahren die Spedition FIT gegründet, 2017 wurde der Marktplatz LKWnow ins Leben gerufen. Der Logistikexperte ist bereits seit seiner Jugend in der Branche zu Hause ist. Mittlerweile beschäftigt LKWnow acht Mitarbeiter. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Henstedt-Ulzburg/Schleswig Holstein.

/ Geschrieben von Corinna Flemming


Anchor Top
 
 
timocom