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ParcelLock bietet mit seinen Schließsystemen für Paketkästen eine Möglichkeit, die letzte Meile effektiver zu gestalten. Im Interview spricht Geschäftsführer Gunnar Anger über die Idee hinter ParcelLock, die verschiedenen Möglichkeiten und die Pläne für die Zukunft.

ParcelLock App
© ParcelLock

Logistik Watchblog: Können Sie das Konzept von ParcelLock beschreiben?

Gunnar Anger: ParcelLock ist ein Softwarehersteller, der Paketdienstleistern, Paketempfängern und Herstellern ein offenes System anbietet, mit dem alle Pakete aller teilnehmenden Dienstleister versendet und empfangen werden können.

An wen richtet sich das Angebot?

Generell ist das ParcelLock System ein herstellerübergreifender Standard und steht allen Paketdienstleistern, Lieferanten und Herstellern offen. Das Angebot von Paketkästen („Einfamilienhaus-Lösung“) mit ParcelLock-System richtet sich vor allem an Endkunden, die gerne zu Hause ihre ganz private und eigene Lösung für den Paketempfang haben möchten. Für Mehrfamilienhäuser sind Paketkastenanlagen mit ParcelLock-System eine optimale Lösung. Die entsprechende Resonanz am Markt ist überwältigend. Dementsprechend richtet sich der Vertrieb unserer Partner vor allem an Immobilienunternehmen. Öffentliche Paketstationen mit ParcelLock System ermöglichen neue Konzepte für die City-Logistik und sind beispielsweise relevant für Kommunen. Aufgrund der zahlreichen Anknüpfungspunkte zu Click-and-Collect-Ansätzen sind sie auch eine sehr spannende Lösung für Händler, wie man an unserer Zusammenarbeit mit dm und Würth erkennen kann.

Welche Segmente bedienen Sie?

Nach der Integration des ParcelLock-Systems in verschiedene Paketkasten-Modelle für Einzel- und Mehrfamilienhäuser haben wir unser offenes System für den Einsatz im dritten Segment, den öffentlichen Abholstationen, weiterentwickelt. Im April 2018 startete ein Pilotprojekt mit der dm-Drogeriemarktkette, durch das die ersten Paketstationen mit ParcelLock-System in Hamburg und Umgebung ans Netz gingen. Zudem rollen wir mit Würth entsprechende Stationen aus.

Wie wird die Sicherheit der Pakete garantiert?

Das ParcelLock-System bietet ein sicheres und nachvollziehbares Verfahren für die Zustellung und Abholung von Paketen. Durch das TAN-basierte Vorgehen werden einmalige und zeitlich begrenzt gültige Codes für die Einlieferung von Paketen generiert. Zudem können Nutzer eines Einzelkastens sowie einer Mehrfamilienhausanlage all ihre Vorgänge in ihrem Account nachvollziehen. Bei der öffentlichen Paketstation sorgt die sogenannte ParcelLock-ID (PL-ID) für eine eindeutige Zuordnung des Pakets an den Empfänger. Dieser kann mit einem speziellen Abhol-Code das Paket jederzeit aus der Station abholen.

Wie finanziert sich ParcelLock? Wer zahlt welche Preise bzw. welche Kosten entstehen für die Nutzer?

Das Geschäftsmodell von ParcelLock besteht darin, eine technische Lösung gegen Lizenz- und Nutzungsgebühren bereitzustellen und weiterzuentwickeln. Lizenz- und Nutzungsgebühren werden gegenüber Herstellern und Paketdiensten erhoben, nicht aber gegenüber den Paketempfängern/ Endkunden.

Können Kunden ParcelLock für Retouren nutzen?

Über das ParcelLock-System können Retouren mit den teilnehmenden KEP-Partnern abgewickelt werden.

Wie werden die Zugangsberechtigungen verteilt?

Die Besitzer eines Kastens und die Nutzer von Paketkastenanlagen erteilen den Zustelldiensten den Zugang über ihren Account. Zudem können sie in ihrem Account auch anderen Lieferdiensten als den ParcelLock-Partnern einen individuellen TAN-Code generieren und so Zugriff gewähren.

Welche Dienstleister unterstützen ihre Lösung bereits?

Aktuell an Bord als KEP-Partner sind DPD, Hermes, GLS, Go, Liefery, NOX und Nightstar Express. Bei Händlern sind es aktuell dm und Würth. Wir sind sehr optimistisch, im ersten Quartal 2019 weitere spannende Neuigkeiten verkünden zu können.

Für wen eignet sich ParcelLock besonders?

Unser System eignet sich für alle Paketempfänger oder Versender von Retouren. Ob als Nutzer eines Einzelkastens, einer Paketkastenanlage in einem Mehrfamilienhaus oder einer öffentlichen Paketstation mit ParcelLock-System – sie profitieren von einem zukunftsfähigen, anbieteroffenen System, das Paketempfang und Retouren flexibel und einfach gestaltet.

Durch die Entwicklungen im E-Commerce ist nicht nur das Paketvolumen gestiegen, sondern auch die Kundenansprüche in Sachen Logistik und Zustellung. Diesen Entwicklungen und Ansprüchen der Paketempfänger müssen Wohnumfelder nachkommen und nachhaltig lösen. Es gilt die Wohnsituation an die sich wandelnden Ansprüche anzupassen und einer steigenden Lieferantenvielfalt mit einer offenen Lösung wie Paketkastenanlagen mit ParcelLock-System zu begegnen. Zwar ist die Mietsituation aus Vermietersicht aktuell sehr gut, aber aus Gründen der Logistik und der Erhöhung der Qualität des Wohnumfeldes können sich Vermieter und Immobiliengesellschaften von Wettbewerbern absetzen.

Öffentliche Paketstationen mit ParcelLock-System bieten Händlern zahlreiche Anknüpfungspunkte zu Click-and-Collect-Ansätzen. So ermöglichen sie beispielsweise eine zeitlich flexible Anlieferung sowie Abholung der Waren. Mit diesem zusätzlichen Service hat der Kunde die Möglichkeit, seine Click-and-Collect-Bestellungen rund um die Uhr aus der Paketstation abzuholen und ist nicht mehr an die Ladenöffnungszeiten gebunden. An verkehrsgünstigen Punkten gelegen oder direkt neben Filialen können sowohl Kunden als auch Unternehmen dank der kurzen Lieferwege auf eine schnelle, sichere und unkomplizierte Lieferung setzen. Paketstationen mit ParcelLock-System können auch für Lieferungen teilnehmender Zusteller, also nicht nur die Click-and-Collect-Bestellungen, genutzt werden. So bieten sie dem Kunden über die regulären Angebote des Handels hinaus eine weitere Serviceleistung, wodurch auch die Kundenbindung gestärkt wird.

Zudem sorgen sie neben erhöhtem Traffic am Standort auch für weitere Käufe. Eine im Auftrag von JDA Software durchgeführte YouGov-Umfrage mit über 8.000 Erwachsenen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Schweden fand 2017 heraus, dass 27 Prozent der Click-and-Collect-Nutzer bei der Abholung ihrer Bestellung noch ein weiteres Produkt gekauft haben.

Was plant ParcelLock für die Zukunft? Sind weitere Services in Planung?

ParcelLock konzentriert sich aktuell auf die Etablierung eines Netzes an öffentlichen Paketstationen. Hierfür steht ParcelLock bereits in Gesprächen mit namhaften potenziellen Partnern, mit denen der Aufbau gemeinsam vorangetrieben werden soll. Darüber hinaus gibt es eine weitere neue Funktion in der Planung und in der Umsetzung – auch mit Partnern – wie zum Beispiel ein Türöffnungssystem, wenn die Station in einer Filiale steht, Fachreservierungen für Händler und Paketdienstleister sowie Kühlung und Tiefkühlung für öffentliche Stationen.

Wie wird ParcelLock bislang von den Kunden angenommen?

Die bisherigen Praxiserfahrungen zeigen eine hohe Akzeptanz des ParcelLock-Systems bei den Empfängern, gerade da unser System das einzig offene in Deutschland mit Paketdienstleister-Anbindung ist. Besonders überzeugt dabei der anbieteroffene Ansatz des ParcelLock-Systems. Optimierungsvorschläge in Bezug auf die einfache Bedienbarkeit seitens der Empfänger und Zusteller werden kontinuierlich bei der Weiterentwicklung der einzelnen Produkte berücksichtigt.

 


Gunnar Anger, Parcellock
Über Gunnar Anger: Gunnar Anger (46) hat Ende 2016 die Geschäftsführung der ParcelLock GmbH übernommen. Nach seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und einem BWL-Studium in Kiel und MBA in den USA startete Gunnar Anger seine berufliche Laufbahn im Investment-Banking verschiedener Banken. Seit 2010 leitete Anger mehrere Wachstums- und Technologieunternehmen.

/ Geschrieben von Corinna Flemming