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Das Weihnachtsgeschäft steht im Handel vor der Tür. Entsprechend müssen mehr Waren eingelagert werden. Doch wohin mit der Ware, wenn kein Platz mehr im Lager ist? Wir haben mit Jörg Klöpper, Geschäftsführer des Online-Marktplatzes für Lagerflächen, über die Plattform gesprochen und wollten wissen, wo die Reise für das Unternehmen hingeht.

Logistiklager
© dreamnikon – shutterstock.com

LogistikWatchblog: Können Sie kurz das Konzept von ShareHouse beschreiben?

Jörg Klöpper: Wir haben ShareHouse mit dem Ziel gegründet, einen transparenten und flexiblen Marktplatz für Lagerflächen zu schaffen, der Anbieter und Suchende möglichst einfach zusammenbringt.

Lagerbetreiber möchten ungeliebten Leerstand vermeiden und Unternehmen aus dem Handel oder produzierenden Gewerbe sind regelmäßig auf der Suche nach kurzfristigen Lagermöglichkeiten, um beispielsweise eigene Spitzen auszugleichen. Das identifizieren passender Lager, sowohl geografisch, preislich als auch von der Ausstattung, sind jedoch bisher an zeitaufwendige analoge Geschäftsprozesse geknüpft. Auf ShareHouse können Lagerbetreiber ihre Lager präsentieren sowie weiterführende Dienstleistungen und freie Stellplätze anbieten. Unter dem Gesichtspunkt der Vermarktung hat das zwei Vorteile: Erstens lassen sich so neue Kunden gewinnen und zweitens die vorhandenen Kapazitäten – auch durch kurzfristige Vermietungen – besser ausschöpfen.

Nachfrager hingegen können bei Bedarf ihre Lagerflächen per Mausklick erweitern: Sie suchen sich aus den Angeboten genau die Lager heraus, die in puncto Lage, Ausstattung, Lagerdauer und Preis ihren Bedürfnissen entsprechen. Durch die Vernetzung über einen transparenten Marktplatz erhalten beide Parteien volle Flexibilität, sparen Zeit bei der Suche und haben geringere Lagerhaltungskosten. Eine Win-Win Situation.

An wen richtet sich das Angebot?

Grob gesagt, an jedes Unternehmen, das Lagerfläche besitzt oder benötigt. Dies können beispielsweise Lagerbetreiber, Spediteure, E-Commerce-Unternehmen oder Produzenten sein.

Wie finanziert sich ShareHouse? Wer zahlt welche Preise bzw. welche Kosten entstehen für die Nutzer?

Transparenz ist für uns einer der Hauptfaktoren, weshalb wir ShareHouse ins Leben gerufen haben. Daher ist für uns eine transparente und vor allem faire Kostenstruktur extrem wichtig.

Als Nachfrager von Lagerflächen ist die Nutzung der Plattform grundsätzlich kostenlos, es entstehen für die Buchung keine Extrakosten. Als Anbieter von Lagerfläche ist das Anlegen eines Lagers, also dessen Präsentation auf der Plattform, ebenfalls kostenfrei. Erst bei einer erfolgreichen Vermittlung fallen aufseiten des Lagerbetreibers 10 % des Netto-Vertragswertes an.

Kontrollieren Sie die Angebote der Lagerflächen-Anbieter? Bzw. wie schließen Sie aus, dass sich keine schwarzen Schafe unter die Anbieter mischen?

Ja, wir überprüfen neu angelegte Lager auf Richtigkeit und Seriosität, die Angabe einer gültigen Umsatzsteuer Identifikationsnummer ist zudem Pflicht. Darüber hinaus haben wir auch ein Bewertungssystem auf der Plattform integriert, mit dem Lager von Kunden bewertet werden können. Die Lageranbieter stellen sich auf unserer Plattform also ganz transparent den Erfahrungen der Nutzer.

Für welche Warenträger vermittelt ShareHouse Lagerflächen?

Begonnen haben wir mit der Vermittlung von Lagerfläche für normierte Ladungsträger in Form von Palettenstellplätzen. Derzeit kann auf der Plattform zwischen den folgenden fünf Ladungsträgern unterschieden werden:

  • Euro-Paletten
  • Euro-Gitterbox
  • Boxpalette
  • Gitterpalette
  • Stahlflachpalette

Wir haben jedoch das Feedback bekommen, dass es für viele Kunden genauso wichtig ist, reine Freiflächen anzumieten, um beispielsweise überpackte oder nicht normierte Ladungsträger einzulagern. Inzwischen ist es daher auch möglich Freiflächen in Form von Quadratmetern einzustellen und zu buchen.

Bieten die Dienstleister auch Fulfillment-Leistungen an?

Teilweise ja. Lagerbetreiber können auf der Plattform ihre Lager umfassend beschreiben. Dazu zählen neben der Ausstattung, erworbenen Zertifikaten und vorhandenen Fördergeräten auch mögliche Zusatzdienstleistungen, die angeboten werden. So bieten viele Lagerbetreiber beispielsweise die Kommissionierung, Verpackung und den Versand von Waren an, oder übernehmen Inventurleistungen.

Ist eine bestimmte Dienstleistung für einen Suchenden besonders wichtig, kann er direkt danach filtern und sich nur Lager anzeigen lassen, die diese anbieten. Alternativ kann er zusätzliche Dienstleistungen bei seiner Buchungsanfrage auch direkt anfragen. 

Wie viele Angebote für Lagerflächen gibt es? Bzw. wie gut ist die geografische Abdeckung?

ShareHouse operiert deutschlandweit. Stand jetzt, sind bereits über 150 Lager auf unserer Plattform registriert, die zusammen etwa 750.000 Palettenstellplätze zur Verfügung stellen. Wir haben sehr gutes Feedback vom Markt bekommen und sind daher in der glücklichen Lage, dass die Abdeckung derzeit wöchentlich steigt.

Natürlich haben wir viel mit unseren Kunden gesprochen und verstehen daher, wie wichtig ihnen auch eine starke lokale Abdeckung ist. Daher sind wir dabei, ganz gezielt auch auf Lager zuzugehen, in Gegenden, in denen wir noch nicht so stark vertreten sind. Unser Ziel ist es, für jede Suchanfrage eine Abdeckung innerhalb von maximal 50 km zu erreichen.

Können Händler auch Gesuche einstellen oder können nur Angebote eingestellt werden?

ShareHouse ist grundsätzlich als Marktplatz aufgebaut, auf dem Lagerflächen angeboten und gesucht werden können. Der Händler platziert also seine Gesuche direkt über die Suchanfrage. Der Vorteil hierbei ist, dass der Händler direkt transparente Ergebnisse für Lager bekommt, die er dann auf für ihn wichtige Parameter wie Entfernung, Ausstattung, Branchenerfahrung und Preis vergleichen kann.

Wie wird die Anlieferung und Abholung der Ware organisiert?

Die Anlieferung und Abholung der Ware wird von den meisten Händlern selber übernommen, jedoch können viele Anbieter auf der Plattform dort auch unterstützen. Der Händler muss dies lediglich bei seiner Anfrage mit angeben.

Was plant ShareHouse für die Zukunft? Sind weitere Services in Planung?

Die Erweiterung unseres Service Portfolios ist für uns definitiv ein wichtiger Punkt auf der Road Map. ShareHouse soll sich zu einem Marktplatz weiterentwickeln, auf dem Benutzer einen schnellen und einfachen Zugang zu einer Vielzahl an Logistikdienstleistungen bekommen, wie Zollabwicklung und Transporte, Sendungsverfolgung oder Versicherungsleistungen. Wir denken zudem ganz konkret über Funktionalitäten eines Warehouse-Management-Systems nach. Das Thema Transparenz steht für uns dabei immer im Vordergrund. Neben der Erweiterung unseres Angebotes wird es in den nächsten Monaten für uns auch darum gehen, unseren Service in weiteren europäischen Ländern anzubieten.

Abschließend ist es mir wichtig noch einmal zu betonen, welch wichtige Rolle das Thema Technologie in unseren Zukunftsplänen spielt. Wir verstehen uns als ein Technologieunternehmen, das es durch den Einsatz von Technologien schaffe, Probleme zu lösen. Daher beschäftigen wir uns auch mit Themen wie der Blockchain oder dem IoT und möglichen Anwendungsfällen für ShareHouse.

 


Über Jörg Klöpper 

Jörg Klöpper ShareHose CEOSeit Oktober 2017 ist Jörg Klöpper Geschäftsführer von ShareHouse, einem StartUp mit Sitzen in Duisburg, Berlin und Hamburg, das einen B2B-Marktplatz für Lagerflächen anbietet. Zuvor konnte er bereits mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Logistikbranche sammeln, bei internationalen Schwergewichten wie FIEGE, DB Schenker oder Imperial Logistics. Er hat sich ShareHouse angeschlossen, weil er an die Digitalisierung der Logistikbranche glaubt und die Transparenz, die dabei für alle Seiten entsteht.  

/ Geschrieben von Julia Ptock