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Der Verpackungsmarkt gerät immer stärker unter Druck. Rohstoffknappheit und Lieferengpässe haben bereits extreme Preissteigerungen ausgelöst. Der Verband der Wellpappen-Industrie e.V. (VDW) schlägt nun Alarm.

Altpapier und -kartons
© Meryll – Shutterstock.com

Die Weichen für die aktuelle Entwicklung, die in einer extremen Preissteigerung für Verpackungsmaterialien mündeten, wurden Anfang des Jahres gestellt. Die Rohstoffe für die Herstellung von Verpackungsmaterialien werden immer knapper, in der Folge kommt es laut dem VDW zu Lieferengpässen. Das Ergebnis: Die Preise für Recyclingpapiere haben sich seit Anfang des Jahres um rund 100 Euro pro Tonne verteuert. Die Erhöhungen für Kraftliner erreichten zwischenzeitlich bis zu 150 Euro pro Tonne. Für die VDW-Mitglieder seien das Preiserhöhungen um rund 27 Prozent für Wellpappenrohpapiere.

Nun warnt der Verband vor einer drohenden Katastrophe, zu der es nach Ansicht von Analysten und Marktbeobachtern kommen könne. „Das volle Ausmaß dieser dramatischen Entwicklung wird sichtbar, wenn wir uns vor Augen führen, dass der Anteil der Papierpreise an den gesamten Produktionskosten der Wellpappenindustrie etwa 50 Prozent beträgt“, kommentiert Dr. Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des VDW. Rechnerisch betrachtet seien schon heute Preiserhöhungen für Wellpappenverpackungen um durchschnittlich rund 14 Prozent nötig, um diese gestiegenen Rohstoffkosten zu kompensieren, so Dr. Wolfrum weiter.

VDW erwartet weiterhin angespannte Lage

Grund für die Probleme der Verpackungshersteller soll vor allem der Online-Handel sein. Immer mehr Menschen bestellen immer mehr Ware im Netz – und die muss dann schließlich geliefert werden. Bereits im Januar wurde das Problem vom Pro7-Infotainment-Programm Galileo beleuchtet. Und auch wenn die emotionale Ansprache des Beitrags so manches Mal daneben griff, verbarg sich doch ein gehöriger Brocken Wahrheit darin. Über drei Milliarden Pakete wurden im Jahr 2016 allein in Deutschland von den Paketdiensten befördert (wir berichteten) – Tendenz steigend.

Dass sich diese Entwicklung beruhigt, ist unwahrscheinlich. Auch die Wellpappenindustrie erwartet laut VDW keine Entspannung in der Zukunft. Sowohl die „teils extreme Rohstoffknappheit“ als auch die Preisentwicklung dürften der Industrie demnach noch länger zusetzen. Schlimmer noch: Der Verband rechnet damit, dass die zum Jahreswechsel erwartete Lockerung der aktuellen Importrestriktionen für Altpapier innerhalb des chinesischen Markts den Preisdruck erhöhen wird. Denn dann könne es zu einem „immensen Nachfrageüberhang“ nach Altpapier in Europa kommen.

 

/ Geschrieben von Michael Pohlgeers


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