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Eine neue Studie zu den Gigalinern soll wegen der negativen Ergebnisse bewusst unter Verschluss gehalten werden. Mit diesen Vorwürfen sieht sich jetzt das Land Baden-Württemberg konfrontiert. Update: Die Studie von Daimler und dem Land Baden-Württemberg wurde nun veröffentlicht. Das Ergebnis ist ernüchtern: Der Klimaschutz wird nur minimal gefördert.

Gigaliner
© topae / shutterstock.com

Die Debatte um die umstrittenen Gigaliner geht in eine neue Runde. Jetzt werden Vorwürfe laut, dass eine Studie bewusst unter Verschluss gehalten wird, weil sie nicht die gewünschten Ergebnisse liefert. Die Daimler-Studie wurde vom Bundesland Baden-Württemberg in Auftrag gegeben und sollte bereits im August die Fakten aufzeigen. Nun heißt es von offizieller Seite, dass sich der Termin auf Oktober verschiebt. „Zuerst agiert die Stuttgarter Landesregierung beim Thema Lang-Lkw ohne Distanz zur Herstellerlobby, indem sie eine gemeinsame Studie in Auftrag gibt und nun bleibt die längst überfällige Studie auch noch unter Verschluss“, kritisierten die Allianz pro Schiene, der Automobil-Club Verkehr (ACV), der BUND und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) bereits im August. Die Verantwortlichen werfen der Landesregierung von Baden-Württemberg vor, einen „Kniefall“ vor dem Daimler-Konzern zu machen, wie es in einer Pressemeldung der Deutschen Umwelthilfe heißt.

Zahlen wurden schöngerechnet

Die Allianz pro Schiene kritisiere, dass die Zahlen schöngerechnet wurden und bei der Überladung von Güterbahnen auf die Gigaliner „wesentliche Gütergruppen ausgeblendet worden“, so der Geschäftsführer Dirk Flege. „Obwohl 'Metalle und Metallerzeugnisse' bei den bisherigen Praxiseinsätzen der Gigaliner die größte identifizierte Warengruppe darstellten, haben die Autoren der Studie unterstellt, dass in diesem Marktsegment keine Güter von der Bahn abwandern würden.“

Gigaliner bringen keine Klimavorteile

Ein weiterer Grund, warum man mit der Studie nicht an die Öffentlichkeit will, seien die nicht nachweisbaren Zahlen für den Klimaschutz, heißt es vonseiten des BUND. „Klimapolitisch sind Gigaliner selbst unter den von der Industrie gesetzten Prämissen ein Flop. In Wahrheit wird der CO2-Ausstoß durch die Gigaliner sogar zunehmen, wenn man realistisch annimmt, dass künftig auch internationale Verkehre zugelassen werden und massiver Druck auf die Erhöhung der Gewichte gemacht wird“, so der Leiter Verkehrspolitik des BUND, Werner Reh. Laut der Studie würden sich die Treibhausgase um gerade einmal 0,1 Prozent verringern. Zu wenig findet auch der Automobil-Club Verkehr, welcher sich vornehmlich mit den Sicherheitsmängeln der neuen Gigaliner auseinandersetzt. „Unsere Sicherheitsbedenken werden durch die Daimler-Studie nicht entkräftet“, heißt es vom Geschäftsführer Horst Metzler. Besonders die langen Überholmanöver und die nicht für die Lang-Lkw ausgelegten Bahnübergänge, Kreisverkehre und Nothaltebuchten seien ein Problem.

Die Verbände gehen aktiv gegen die neuen Gigaliner vor und haben unter anderem eine Bürgerplattform ins Leben gerufen, auf der Protestmails gegen die Lang-Lkw an die Landesverkehrsminister geschickt werden können.

Update (6.10.17): Studie veröffentlicht, Ergebnisse ernüchternd

Knapp zwei Wochen nach dem die Deutschen Umwelthilfe das Land Baden-Württemberg wegen Nichtveröffentlichung der Studie kritisiert hat, wurde dies nun nachgeholt. Die Ergebnisse der Analyse sind jedoch ernüchternd. Wie es darin heißt, gibt es „in der Summe eine leicht positive Treibhausgasbilanz durch den Einsatz von Lang-Lkw im Vergleich zum Basisszenario ohne Lang-Lkw.“

In Zahlen heißt das, dass der CO2-Ausstoß um zehn bis elf Prozent gesenkt werden kann, wenn das gleiche Ladungsvolumen in einem Lang-Lkw transportiert wird statt in normalen Lkw. Zudem heißt es weiter, dass zwar zwei Lang-Lkw-Fahrten drei konventionelle Lkw-Fahrten ersetzen können, allerdings durch die „Gewichtsbeschränkung auf 40 (44) t der wirtschaftliche Einsatz des Lang-Lkw auf wenige Gutarten beschränkt“ ist. Daraus wird der Schluss gezogen, dass „Lang-Lkw ein Nischenprodukt bleiben, das in geeigneten Märkten zu einer nicht zu vernachlässigenden Verkehrsreduktion und damit zu einer ebenfalls nicht zu vernachlässigbaren Emissionsreduktion führt, aber bezogen auf den gesamten Straßengüterfernverkehr keine wesentlichen Entlastungen mit sich bringt.“

 

/ Geschrieben von Corinna Flemming


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